Gigantischer Fehlanreiz

Die aktuellen Milliardengewinne von Big Oil sind nur vorübergehender Natur

Die Anlagen der BP-Raffinerie in Gelsenkirchen
Die Anlagen der BP-Raffinerie in Gelsenkirchen

Totgesagte leben länger – das gilt bisweilen auch für Unternehmen oder ganze Geschäftsfelder. Nach der Deepwater-Horizon-Ölkatastrophe 2010 schien der BP-Konzern manchen Beobachtern nur noch ein Fall fürs Insolvenzgericht. Später wollte die einstige British Petroleum als Lehre aus dem Desaster unter dem Motto »Beyond Petroleum« dem Öl bye-bye sagen. Alles Schnee von gestern: Einen Gewinnsprung auf 9,3 Milliarden Dollar im zweiten Quartal gab es dank der hohen Öl- und Gaspreise. Selbst der verlustreiche Rückzug aus Russland oder die britische Übergewinnsteuer trüben die Aussichten kaum.

Das eigentliche Problem: BP, aber auch andere Ölkonzerne wie Shell, Total oder ExxonMobil, die ebenfalls Milliarden absahnen, kaufen mit dem Geld nicht nur Aktien zur Kurspflege für die Aktionäre zurück. Big Oil will auch wieder groß in fossile Energien investieren. Die Ausnahmesituation an den Energiemärkten sorgt so für einen gigantischen Fehlanreiz in der Branche – jedenfalls mit Blick auf die verlangte Klimaneutralität. Womöglich hält der neue Ölrausch länger an. Oder, was wahrscheinlicher ist, es gibt schon bald ein böses Erwachen für die dann wieder Totgesagten.

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