Aus den Fehlern lernen

Mehr Impfstoff gegen das MPX-Virus muss schnell her, findet Mischa Pfisterer

  • Von Mischa Pfisterer
  • Lesedauer: 2 Min.
Kleiner Piks, große Wirkung: Sofern denn mal genügend Impfstoff gegen MPX in Berlin verfügbar ist.
Kleiner Piks, große Wirkung: Sofern denn mal genügend Impfstoff gegen MPX in Berlin verfügbar ist.

»Man muss es sagen, wie es offensichtlich ist: Der Berliner Gesundheitssenatorin Gote ist das Thema Affenpocken sowas von egal!« Mit diesen knackigen Worten bläst Alfonso Pantisano in seiner Funktion als Bundesvorstand des Lesben- und Schwulenverbands via Twitter zum Frontalangriff auf Ulrike Gote von den Grünen. Pantisano selbst ist auch SPD-Mitglied und Referent von Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD). Gote sei untergetaucht, verunsichere die Betroffenen und viele in der queeren Community, schreibt Pantisano. Das ist – mit Verlaub – Quatsch, und man fragt sich schon, warum Pantisano ausgerechnet jetzt Angriffe gegen die grüne Senatorin fährt und wem damit geholfen ist.

Natürlich gibt es in der queeren Community sehr großen Frust. Natürlich stellt man sich Fragen. Kümmern sich etwa die Verantwortlichen weniger, weil es sich um eine Minderheit handelt? Und, ja, der Impfstart in Berlin ist versemmelt worden. Während Menschen mit Schmerzen in Berliner Krankenhäusern lagen, lag der Impfstoff mehr als drei Wochen in den Gefrierschränken, weil eine Vielzahl rechtlicher und organisatorischer Fragen noch nicht geklärt war, wie es heißt. Dabei wäre ein erfolgreicher Start der Impfkampagne wichtig gewesen, um das Virus frühzeitig unter Kontrolle zu bekommen. Dagegen hat die Community frühzeitig über ihre Kanäle aufgeklärt und für die Impfung geworben.

Sollte sich der Trend bestätigen und die Zahl der Neuinfektionen weiter zurückgehen, ist das noch lange kein Grund, mit den Anstrengungen nachzulassen, im Gegenteil. Dass die Gesundheitsverwaltung am Wochenende angekündigt hat, Berlin soll in dieser Woche nochmals zusätzliche Impfstoffe vom Bund erhalten, ist gut, reicht aber bei weitem nicht aus. Die Forderung aus der Community, jetzt nach vorn zu schauen, aus den Fehlern zu lernen und weitere Schritte gemeinsam auf Augenhöhe zu diskutieren, muss umgesetzt werden. Und zwar nicht irgendwann, sondern schnellstens. Die persönliche Attacke auf die Gesundheitssenatorin ist aber vor allem eines: wohlfeil.

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