Warten auf den Bus dauert wieder länger

Berliner Verkehrsbetriebe reduzieren wegen Personalmangel Anzahl der Fahrzeuge

  • Claudia Krieg
  • Lesedauer: 3 Min.

Auf mehr als 30 Buslinien in Berlin sind seit diesem Montag aufgrund von Personalengpässen weniger Fahrzeuge unterwegs – die Fahrgäste müssen sich bis auf Weiteres auf eine längere Taktung einstellen. »Ausgewählt wurden vor allem Linien, bei denen es ein Parallelangebot gibt, also zum Beispiel eine Expresslinie und eine ›normale‹ Linie auf dem gleichen Abschnitt verkehren«, teilten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) dazu mit. Häufig fahren die betroffenen Linien bis auf Weiteres nur noch im 10- oder 20-Minuten-Takt. Bei vielen Verbindungen wurden die Takte hingegen auf einen fünf- bis achtminütigen Rhythmus ausgeweitet.

Wie lange die Änderungen Bestand haben, ist weiter offen. Ein hoher Krankenstand wegen der Pandemie und generell zu wenig Personal machen laut BVG die Maßnahmen notwendig. Dennoch will das Unternehmen rund 97 Prozent des Busangebots weiter aufrechterhalten.

Dies klingt zwar nach einer zunächst überschaubaren Einschränkung, aber immerhin sind 32 Linien betroffen. Auf stark frequentierten Linien wie beim M43 wird sich eine Taktung von fünf auf zehn Minuten deutlich bemerkbar machen, zumal zu Schul- und Berufsverkehrszeiten.

Der verkehrspolitische Sprecher der Berliner Linksfraktion, Kristian Ronneburg, sieht dann auch im verminderten Busangebot »ein absolutes Alarmsignal«. »Personal zu gewinnen und zu halten, ist vor allem beim Busverkehr ausschlaggebend, um das BVG-Netz weiter auszubauen«, erklärt der Verkehrspolitiker am Montag. Denn im Busverkehr könnten Leistungen leichter erweitert werden als zum Beispiel bei der Straßenbahn. »Der Ausbau des 10-Minuten-Netzes wird auf absehbare Zeit vor allem im Busverkehr möglich sein«, ist Ronneburg sicher.

Seitens der Linksfraktion werde in der rot-grün-roten Landesregierung zwar auf die Beschleunigung des Straßenbahnausbaus gedrängt, dennoch gehe dieser nicht so schnell voran wie erhofft und erwartet, so Ronneburg weiter.

»Es rächt sich nun, dass sich der letzte Senat zu viel Zeit mit neuen Busspuren gelassen hat und auch keine Pop-up-Busspuren eingerichtet hat. Genau diese Maßnahmen müssen nun energisch vorangetrieben werden«, fordert der Verkehrsexperte. Dass der neue Senat auch die Einrichtung von Busspuren in den Bezirken umsetzen wolle, sei ein erster wichtiger Schritt.

Um das Personal zu entlasten, müssen in den nächsten Wochen und Monaten seitens des Senats und der Bezirke in einer konzertierten Aktion Busspuren geschaffen werden. Unzählige Busspuren sind bereits seit Langem verkehrsrechtlich angeordnet.

Vor einigen Tagen hatte der Bezirk Mitte erklärt, in diesem Jahr bereits 2400 Meter neue Busspuren eingerichtet zu haben. Fahrzeiten von Bussen müssten verkürzt und Fahrzeuge verlässlich zur Verfügung stehen, hatte Bezirksstadträtin Almut Neumann (Grüne) betont.

»Die bedenklichen Entwicklungen im Oberflächenverkehr, wodurch die Busse im Stadtverkehr immer langsamer werden, müssen ein Ende haben und die Trendumkehr eingeleitet werden«, sagt auch Kristian Ronneburg. Dies gehe allerdings nur mittels der Durchsetzung des konsequenten Vorrangs des ÖPNV, »so wie ihn das Mobilitätsgesetz vorsieht«.

Über die veränderte Bus-Taktung hinaus wird mit dem Ende der Sommerferien die zuschlagpflichtige Expressbus-Linie BER1, die vom S- und U-Bahnhof Rathaus Steglitz zum Flughafen BER fährt, letztmalig am 28. August verkehren und danach eingestellt werden.

Werde Mitglied der nd.Genossenschaft!
Seit dem 1. Januar 2022 wird das »nd« als unabhängige linke Zeitung herausgeben, welche der Belegschaft und den Leser*innen gehört. Sei dabei und unterstütze als Genossenschaftsmitglied Medienvielfalt und sichtbare linke Positionen. Jetzt die Beitrittserklärung ausfüllen.
Mehr Infos auf www.dasnd.de/genossenschaft

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal