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Neubau auf Umwegen

Nach abenteuerlicher Bauphase eröffnet in Friedrichshain-Kreuzberg eine neue Grundschule

  • Patrick Volknant
  • Lesedauer: 4 Min.
Fühlen sich wohl im Neubau: Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) und die kommissarische Schulleiterin Ines Frauenstein (rechts)
Fühlen sich wohl im Neubau: Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) und die kommissarische Schulleiterin Ines Frauenstein (rechts)

Woran es am Donnerstagvormittag an der Pufendorfstraße in Friedrichshain-Kreuzberg nicht mangelt, sind Glückwünsche und warme Worte. »Ich hatte ja schon das Vergnügen, bei vielen Schulbaueröffnungen dabei gewesen zu sein, aber dass so viele prominente Damen und Herren und Fachfrauen und Fachmänner hier sind, das ist schon etwas ganz Besonderes«, sagt Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) bei der Eröffnung der 37. Grundschule des Bezirks, nachdem zuvor über mehrere Minuten hinweg diverse Gäste von Rang und Namen begrüßt wurden. Auch eine Gruppe Viert- und Fünftklässler, die sich bis eben noch auf dem neuen Schulhof ausgetobt hat, hört Busse und den anderen Redner*innen zu.

»Ich habe vor meinem jetzigen Amt 30 Jahre eine Grundschule geleitet und das sehr gerne«, führt die SPD-Politikerin aus. »Aber so ein schickes, neues Schulgebäude, das hätte ich auch gern gehabt.« Im Bezirk sei pünktlich zum Schulstart ein Neubau entstanden, der sich technisch auf dem neuesten Stand befinde. »Pädagogisch zu arbeiten, ist etwas Besonderes, etwas Anspruchsvolles, etwas Wertvolles«, so Busse weiter – umso besser, wenn dies von von erstklassigen Gebäuden unterstützt werde.

Einige Hindernisse machten den modernen Neubau allerdings zur planungstechnischen Herausforderung. Auf wenig Fläche mussten nicht nur Schulgebäude und Pausenhof, sondern sollte auch eine Sporthalle entstehen. Zugleich wurde die Bauhöhe unter Rücksichtnahme auf die angrenzende Auferstehungskirche begrenzt. Friedrichshain-Kreuzbergs Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann (Grüne) nennt das, was schließlich als Lösung gefunden wurde, einen »kleinen Trick«: Die Sporthalle wurde unterirdisch in das Schulgebäude integriert und bietet zugleich einen separaten Zugang für Sportvereine im Bezirk.

»Gerade in den nächsten Jahren wird es für Berlin die Herausforderung sein, wie wir mit wenig Platz noch ausreichend Infrastruktur für Schulen, für Kitas, aber auch Kultur und andere Dinge, die wir ganz dringend brauchen, hinbekommen«, sagt Herrmann. Kniffe wie bei der neuen Grundschule seien dabei unverzichtbar. Auch über die Nutzung von Dachflächen müsse vermehrt nachgedacht werden. »Solche Sachen werden in Zukunft noch wichtiger sein.«

Andy Hehmke, Bezirksstadtrat in Friedrichshain-Kreuzberg, freut sich ebenfalls. »So oft eröffnen wir keine neue Schule«, sagt der SPD-Politiker. Für doppelte Freude sorge zudem eine neue Schule im Rudolfkiez, die – bis auf die dazugehörige Sporthalle – ebenfalls zum aktuellen Schulbeginn fertig geworden sei. Im Zusammenhang mit dem Neubau an der Pufendorfstraße erinnert der Bezirksstadtrat an anfängliche Proteste der Anwohner*innen. Das nun bebaute Gelände wurde zuvor als Sportfläche genutzt, die der Nachbarschaft nun fehlen wird. »Man sollte nicht vergessen, dass wir in Sachen Schulneubau in Berlin auch solche Konflikte haben, denen wir uns stellen müssen«, ergänzt Hehmke. Zudem sei bei den Bauarbeiten ein alter Friedhof zu Tage befördert worden. Archäolog*innen, so Hehmke, hätten daraufhin über 100 Jahre alte Gebeine ausgraben und umlegen müssen.

Noch vor dem nun vollendeten Hauptbau der Grundschule wurde 2018 der modulare Ergänzungsbau auf dem Gelände fertiggestellt. Er wurde noch im selben Jahr von den ersten Klassen genutzt. Unterrichtet wurden sie von Lehrkräften aus der benachbarten Spartacus-Grundschule sowie neuen Lehrer*innen. »Am Anfang gab‹s eine Menge Stolpersteine«, sagt Ines Frauenstein, kommissarische Schulleiterin in der Pufendorfstraße, die mit dabei war. Spielgeräte seien zunächst noch nicht da gewesen und der Pausenhof habe sich noch im Umbau befunden. »Oft sahen die Eltern schon von Weitem, wenn sie ihre Kinder nachmittags abgeholt haben, eine riesengroße Staubwolke. Dann wussten sie, dass die Kleinen wieder auf dem Schulhof rumturnen.«

Viel Spaß habe es gemacht, die Bauarbeiten aus den Fenstern zu beobachten, die währenddessen allerdings geschlossen bleiben mussten. Zudem erinnere sie sich gut an das erste Weihnachten im Neubau: »Die Räume waren so hell und so groß, dass es eine Freude war, hier zu dekorieren und zu gestalten.« Für Begeisterung sorge nicht zuletzt die neue, moderne Sporthalle. »Jetzt bleibt uns nur noch die Aufgabe, die Schule mit Leben zu füllen«, sagt Frauenstein.

Schwer dürfte das nicht werden: Mit 37 000 Schulanfänger*innen kommen in diesem Jahr so viele Kinder an die Berliner Schulen wie zuletzt im Jahr 2005. Besonders im kleinen und eng bebauten Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zählt jeder neue Platz. In der nun vollendeten 37. Grundschule lernen künftig mehr als 430 Kinder. Mit ihnen hat die vom Land ausgerufene Schulbauoffensive der Bildungssenatorin zufolge insgesamt 25 000 neue Schulplätze in Berlin geschaffen.

Laut der Regierenden Bürgermeisterin Franziska Gifey (SPD) wiederum sollen noch weitere 40 000 Plätze bis 2030 hinzukommen. Zuletzt wurde jedoch eine Abschwächung der Schulbauoffensive bemängelt. In den Bezirken Mitte, Marzahn, Lichtenberg und Friedrichshain-Kreuberg soll es zu bedeutenden Kürzungen der Mittel kommen, die ursprünglich eingeplant waren. Lichtenbergs Bürgermeister Michael Grunst (Linke) kritisierte die Kürzungen zuletzt.

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