9-Euro-Ticket der Zivilgesellschaft

Die Kampagne 9-Euro-Fonds startet zum 1. September eine »solidarische Ticketversicherung«

  • Von Louisa Theresa Braun
  • Lesedauer: 3 Min.
Ein dauerhaftes 9-Euro-Ticket forderten Demonstrant*innenen Ende August in Berlin.
Ein dauerhaftes 9-Euro-Ticket forderten Demonstrant*innenen Ende August in Berlin.

Weite Teile der Bevölkerung und Verkehrsverbünde sprechen sich dagegen aus, das Monatsticket für neun Euro einfach auslaufen zu lassen»eher geht die FDP«, verkündet die neue Kampagne 9-Euro-Fonds auf ihrer Homepage. »Wir fordern die Verlängerung des 9-Euro-Tickets, weil wir einen günstigen und sozialverträglichen Nahverkehr brauchen. Das ist auch für den Klimaschutz wichtig«, sagte Leo Maurer, Sprecher des 9-Euro-Fonds, am Mittwoch zu »nd«. Außerdem solle der ÖPNV ausgebaut und barrierefrei werden, es brauche faire Löhne und Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten, mehr Personal und ein Ende klimaschädlicher Subventionen wie das Dienstwagenprivileg.

Bis dahin macht der 9-Euro-Fonds das Ticket kurzerhand selbst: Ab heute kann jede*r für neun Euro im Monat Mitglied einer »solidarischen Ticketversicherung« werden. Sollte man dann beim Schwarzfahren erwischt werden, bezahlt der Fonds das erhöhte Beförderungsentgelt. Jedes Mitglied bekommt einen Sticker mit der Aufschrift »Ich fahre ohne Fahrschein« zugesandt, den man in Bussen und Bahnen tragen kann, um den Vorwurf des »Erschleichens von Leistungen« zu umgehen. Strafrechtlich relevant wäre das Fahren ohne Ticket natürlich trotzdem, und der 9-Euro-Fonds ruft explizit nicht zum Schwarzfahren auf.

Es gehe einerseits um eine Notfallhilfe vor allem für Menschen, die sich bei steigenden Preisen einfach kein Ticket mehr leisten könnten. »Wenn die Politik versagt, muss die Zivilgesellschaft einspringen«, sagt Maurer. Andererseits soll die Aktion Druck auf die Politik ausüben, um zu zeigen: »Die Gesellschaft nimmt das nicht mehr hin.« Dafür findet am 1. September um 17 Uhr eine Aktion an der U-Bahnstation Bundestag statt.

Dass sich die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) zuletzt für eine Nachfolge des 9-Euro-Tickets ausgesprochen hat, findet Maurer »super«. Trotzdem sei noch lange nicht klar, was am Ende dabei herauskomme. »Deshalb dürfen wir nicht locker lassen«, erklärt Maurer. Er verweist auf das Vorbild Spanien, wo viele Zugverbindungen von September bis Dezember gratis sind, um die Bevölkerung von der Inflation zu entlasten. Auch wer nicht ohne gültiges Ticket Bus oder Bahn fahren wolle, könne den 9-Euro-Fonds mit Spenden unterstützen oder den Sticker öffentlich tragen, um die Kontrolle anderer Mitglieder zu erschweren.

Währenddessen haben die Klimaaktivist*innen der »Letzten Generation« angekündigt, ab dem 1. September ohne Ticket zu fahren und dabei mit Vorträgen, Schildern und Werbematerial auf die Klimakrise und die Teuerungen im Nah- und Fernverkehr aufmerksam zu machen. Den Preis für die jeweiligen Fahrten wollen sie an einen Klimafond spenden. »Es ist an der Zeit, finanziell benachteiligten Menschen die Teilhabe an Mobilität zu ermöglichen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass Mobilität nachhaltig möglich ist«, erklärte dazu Lea Bonasera, Mitinitiatorin der »Letzten Generation«.

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