Hamburger CDU nimmt früheren AfD-Chef auf

Jörn Kruse war Mitbegründer der Rechtsaußenpartei

  • Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 3 Min.

Mit 73 Jahren ist ein politischer Comeback-Versuch nicht zwingend naheliegend, gerade wenn die bisherige Parteibiografie kritische Nachfragen geradezu erzwingt. Jörn Kruse ist das offenbar alles egal. Am Mittwoch wurde bekannt, dass der frühere Hamburger AfD-Politiker seit kurzem Mitglied der CDU ist. Aufgenommen hat ihn einstimmig der Vorstand des Kreisverbandes Hamburg-Nord, in dem auch Landeschef Christoph Ploß den Ton angibt. Der 37-Jährige vom rechten Parteiflügel führt die hanseatischen Konservativen seit 2020 und ist bekannt dafür, provozierend auf Themen zu setzen, für die es vor allem am Stammtisch Applaus gibt. »Bild« nannte Ploß vor wenigen Tagen einen der »härtesten Streiter gegen den um sich greifenden Gender-Unfug in Behörden und Institutionen«. Stolz teilte der Landesvorsitzende mit, dass sein Landesverband auf dem Bundesparteitag kommende Woche in Hannover Anträge gegen einen angeblichen Gender-Zwang und für eine Stärkung des »C im Parteinamen« einbringen werde. Letztere Initiative hätte bis auf reichlich überhöhte Symbolik keine praktischen Folgen für das politische Tagesgeschäft der Partei.

Kruses Aufnahme in die Hamburger CDU muss deshalb als ein Versuch von Ploß gesehen werden, den Landesverband innerhalb der Partei weiterhin klar rechts zu positionieren. Aufmerksamkeit beschert ihm die Personalie allemal, war der 73-Jährige doch nicht nur einfaches AfD-Mitglied, sondern gehörte an der Seite von Bernd Lucke zu den Gründer*innen der AfD. In der Partei war Kruse dann auch ein steiler Aufstieg gewiss, von 2013 bis 2015 führte er den Hamburger Landesverband, zog dann 2015 auch in die Bürgerschaft ein, wo er bis 2018 AfD-Fraktionsvorsitzender war, ehe er die Partei verließ.

Sein CDU-Beitritt erfolgte mit Ansage: Schon 2020 liebäugelte Kruse in einem Interview mit dem Schritt, sollte Friedrich Merz Kanzlerkandidat der Union bei der Bundestagswahl werden. Daraus wurde bekanntlich nichts, doch Merz ist inzwischen Parteichef und Fraktionsvorsitzender im Bundestag – für Kruse offenbar das Signal für einen Beitrittsantrag. Dass dieser trotz Kruses AfD-Vergangenheit angenommen wurde, dürfte auch damit zu tun haben, dass der Professor für Volkswirtschaftslehre in den Medien oft erzählt, wie er sich gegen die Radikalisierung der Partei gestellt habe. Richtig ist, dass Kruse früh vor den völkisch-nationalistischen Kräften in der Partei warnte und sich nach der Wahl von Frauke Petry zur Bundesvorsitzenden 2015 vom Posten als AfD-Landessprecher zurückzog. »Das ist nicht mehr meine Partei«, erklärte er damals in der Tageszeitung »Welt«. Bis zum Bruch mit der AfD sollte es aber noch drei Jahre dauern. Seine Frau hatte da interessanterweise längst ihren Austritt erklärt.

Ploß verteidigt die Personalie in einer Mitteilung: »Die CDU war immer dann erfolgreich, wenn sie christlich-soziale, liberale und konservative Strömungen vereint hat. Ein solcher Ansatz hat die Demokratie in Deutschland immer gestärkt.« In der Partei sehen das nicht alle so. Ruprecht Polenz, früherer CDU-Generalsekretär, erinnert auf Twitter daran, dass Kruse »alle Hetze gegen Flüchtlinge« zumindest »aktiv geduldet« habe. »Ich verstehe nicht, warum der Hamburger CDU-Vorsitzende Ploß höchstpersönlich den Ex-AfD-Landesvorsitzenden in die CDU aufnimmt.«

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