Menschen statt Profite, Kinder statt Autos

Am Freitag gibt es wieder einen globalen Klimastreik, am Wochenende Kinder-Fahrraddemos

  • Von Louisa Theresa Braun
  • Lesedauer: 3 Min.
"Wir haben nur eine Welt." Das Banner vom 10. Klimastreik stimmt auch einen Streik später noch.
"Wir haben nur eine Welt." Das Banner vom 10. Klimastreik stimmt auch einen Streik später noch.

»People not Profit« (»Menschen statt Profite«) ist Motto des elften globalen Klimastreiks von Fridays for Future. Auch in Berlin werden die Klimaaktivist*innen an diesem Freitag wieder im Regierungsviertel demonstrieren. Sie fordern eine Sicherung der Existenzgrundlagen, vor allem für Menschen im globalen Süden, aber auch für diejenigen, die hierzulande am stärksten von steigenden Energiekosten betroffen sind.

Fridays for Future Berlin warnt davor, die Klimakrise gegen die Energiekrise auszuspielen. Es sei absurd, dass fossile Energiekonzerne Gewinne machten, während die Sorgen in der Bevölkerung zunähmen. »Viele wissen nicht, wie sie ihre Strom und Gasrechnungen bezahlen sollen«, erklärt Sprecherin Clara Duvigneau am Mittwoch. Deshalb trete Fridays for Future für eine Energiegrundsicherung ein, die durch eine Übergewinnsteuer finanziert wird.

Insgesamt 100 Milliarden Euro sollten als Sondervermögen bereitgestellt werden, um erneuerbare Energien auszubauen und eine konsequente Verkehrswende umzusetzen, so die Aktivist*innen. Duvigneau findet: »Wer 100 Milliarden Euro für das Militär bereitstellen kann, muss mindestens genauso viel Geld investieren, um die Klimakrise aufzuhalten.«

Schuldenerlass fürs Klima

Laut Fridays for Future wäre es so noch immer möglich, aus der Krisenspirale auszubrechen. Mithilfe des Sondervermögens könne die Regierung, statt nur kurzfristig für Entlastungen zu sorgen, langfristige Sicherheit für die Menschen schaffen. Bei der Angst vor den Nebenkostenabrechnungen handele es sich um die Folge einer Politik, die sich dagegen gesträubt habe, die eigene Unabhängigkeit durch erneuerbare Energien einzuleiten.

Vor allem aber fordert die Bewegung Gerechtigkeit für die am stärksten von der Klimakrise betroffenen Regionen. »Ein essenzieller Teil davon sind Reparationszahlungen für die vom globalen Norden verursachten Klimaschäden«, teilt Fridays-for-Future-Sprecherin Darya Sotoodeh mit. Den Grundstein dafür habe der Kolonialismus gelegt, und vorangetrieben werde die Krise »durch neokoloniale Schuldenpolitik«. Sotoodeh sagt: »Zahlreiche Menschen verlieren ihr Leben oder ihre Existenz, beispielsweise gerade in Pakistan.«

»Die Entschuldung ist der notwendige erste Schritt, um eine gerechte Transformation möglich zu machen«, so eine Sprecherin der Klimagerechtigkeitsgruppe Debt for Climate (Schuldenerlass fürs Klima), die am Freitag gemeinsam mit Fridays for Future auf die Straße geht. Deutschland und insbesondere Finanzminister Christian Lindner (FDP) seien in der Pflicht, diese Forderung beim Internationalen Währungsfonds und der Weltbank umzusetzen. Los geht der Klimastreik um 12 Uhr im Invalidenpark.

Kinderfreundlicher Stadtverkehr

Am Wochenende geht es weiter mit Demonstrationen für die Verkehrswende. Unter dem Motto »Uns gehört die Straße« ruft ein breites bundesweites Bündnis für Samstag und Sonntag zu Kinder-Fahrraddemos auf. In der Hauptstadt fordern die Verbände ADFC Berlin, Changing Cities und VCD Nordost von Senat und Bezirken mehr Einsatz für kinder- und familienfreundlichen Stadtverkehr, durch Maßnahmen wie Verkehrsberuhigung vor Kitas und Schulen sowie eine sichere Fuß- und Radinfrastruktur.

Mehr als 82 000 Menschen haben dafür die bundesweite Petition »Uns gehört die Straße! Wir brauchen ein kinderfreundliches Straßenverkehrsrecht« unterschrieben, die am Samstag an Mobilitätssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) übergeben wird. Als sogenannte Kidical Mass wollen Kinder und Eltern am Wochenende an zwölf Orten in Berlin auf Fahrrädern, Tretrollern oder Rollschuhen die Straßen erobern.

Die Routen sind unter https://berlin.adfc.de/artikel/kidical-mass-berlin-september-2022 zu finden.

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