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DFB-Frauen im Glück

Deutschland trifft bei der WM 2023 auf Marokko, Kolumbien und Südkorea

Bundesliga-Alltag vor der WM: Das Duell der Nationalspielerinnen gewann Kathrin Hendrich (l.) mit dem VfL gegen Bayern mit Lea Schüller.
Bundesliga-Alltag vor der WM: Das Duell der Nationalspielerinnen gewann Kathrin Hendrich (l.) mit dem VfL gegen Bayern mit Lea Schüller.

Ohne triefenden Pathos kommt eine WM-Auslosung nicht mehr aus. Und so sprach mit Fatma Samoura die Generalsekretärin des Weltverbands Fifa aus, was inzwischen auch vor jedem Großereignis im Fußball der Frauen verkündet wird: dass die WM 2023 in Australien und Neuseeland (20. Juli bis 20. August) nicht nur die beste, sondern auch »die bunteste, spektakulärste und am besten besuchte aller Zeiten« werde. Das Attribut bunt trifft es zumindest aus deutscher Sicht ziemlich gut, denn mehr Vielfalt als eine Gruppe mit Marokko, Kolumbien und Südkorea hätte es kaum geben können. Eine viel leichtere Konstellation hätte der zweifache Weltmeister auch nicht erwischen können, um sich mitten im australischen Winter für die nächste Titelmission warmzuspielen.

Drei Teams, die in ihren Konföderationen aus Afrika, Südamerika und Asien jeweils Vizemeister geworden sind – was vortrefflich zum Vize-Europameister Deutschland passt –, doch das oberste Level verkörpert kein Team. Entsprechend geschickt formulierte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg nach der Zeremonie im Aotea Centre von Auckland: »Das ist eine Gruppe mit drei unbekannten Mannschaften. Es ist eine große Herausforderung für uns, die Gegner im Vorfeld gut zu analysieren.« Die Kontrahenten zu schlagen, sollte gemessen am eigenen Anspruch fast eine Selbstverständlichkeit sein.

Erst im Achtelfinale wird es bei dem auf 32 Teilnehmer aufgeblähten Turnier richtig ernst, wenn vermutlich Frankreich oder Brasilien warten. Weltmeister USA könnte frühestens im Finale lauern. Für DFB-Kapitänin Alexandra Popp steht nach den Glückslosen fest: »Wir haben den Druck, als klarer Favorit Gruppenerster zu werden.« Mindestens das Halbfinale soll es schon werden, nachdem Popp und Co. bei der WM 2019 bereits im Viertelfinale strauchelten. Damals war die Bundestrainerin noch kein halbes Jahr im Amt, es hakte in Frankreich an verschiedenen Stellen.

Nun sind die Voraussetzungen deutlich besser, wenn die WM für ihr Ensemble am 24. Juli 2023 in Melbourne gegen Marokko beginnt. »Wir haben noch nie gegen sie gespielt«, sagt Voss-Tecklenburg über den WM-Neuling. Danach geht es am 30. Juli in Sydney gegen den zweiten Außenseiter Kolumbien weiter, dem die Bundestrainerin pflichtschuldig »ganz viel Herzblut und Leidenschaft« bescheinigt.

Das dritte Gruppenspiel steigt am 3. August in Brisbane gegen Südkorea, wo der im Westerwald beheimatete Colin Bell seit 2019 als Nationaltrainer arbeitet. Der gebürtige Engländer und frühere Profi des FSV Mainz 05 hat prägende Fußstapfen als Trainer beim 1. FFC Frankfurt hinterlassen, als er 2015 die Champions League gewann. Der 61-Jährige ist vom Fleiß, Lernwillen und Einsatz seiner Nationalspielerinnen tief beeindruckt. Gerade wegen Bell warnt Voss-Tecklenburg: »Südkorea ist eine sehr, sehr spielstarke Mannschaft, die einen feinen technischen Fußball spielt, mit einem ›deutschen‹ Trainer.« Die 54-Jährige weiß, dass die Gruppenphase nur bedingt als Gradmesser taugt. Von Vorteil muss das nicht sein, denn bei der EM in England kam es sehr gelegen, gleich gegen Dänemark (4:0) und danach gegen Spanien (2:0) voll gefordert zu werden.

Fast unmöglich scheint es, dass die EM-Heldinnen erneut ein Millionenpublikum am Fernseher in der Heimat mitnehmen. Die deutschen Spiele laufen wegen der Zeitverschiebung wohl am frühen Morgen; die genauen Anstoßzeiten werden erst noch festgelegt. Wichtigste deutsche Aufgabe ist zunächst, ein Basecamp in Australien zu suchen. Das deutsche Team wird definitiv keinen Abstecher nach Neuseeland unternehmen müssen bei einer Veranstaltung der weiten Wege, die unter Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit suboptimal ausgestaltet ist. Voss-Tecklenburg wird sich jetzt bei einer einwöchigen Inspektionsreise in Down Under selbst ein Bild von Unterbringungsmöglichkeiten und Trainingsplätzen machen.

Gegen Melbourne, wo auch das Achtelfinale des Gruppensiegers stattfindet, spricht das wechselhafte Wetter, denn hier gilt die Redewendung »Four seasons in a day« – vier Jahreszeiten an einem Tag. Wenn die DFB-Delegation das Turnier von hinten plant, käme eher Sydney infrage. In der Hauptstadt werden Halbfinale und Finale ausgetragen – und Sehnsuchtsort ist ja das Stadium Australia, wo im besten Falle jener finale Schritt gelingt, der in Wembley beim verlorenen Finale der EM gegen die Engländerinnen noch verpasst wurde.

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