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Martina Voss-Tecklenburg hat das EM-Finale noch im Kopf

Neustart für die Bundestrainerin und die deutschen Fußballerinnen

Will noch wilder jubeln als bei der EM: Martina Voss-Tecklenburg
Will noch wilder jubeln als bei der EM: Martina Voss-Tecklenburg

Martina Voss-Tecklenburg hat kein Geheimnis daraus gemacht, wo sie ihren Sommerurlaub mit Ehemann Hermann Tecklenburg verbrachte: obligatorisch auf Mallorca, wo sie einerseits gefaulenzt, andererseits aber auch täglich Rad gefahren sei, wie eine bestens erholte Bundestrainerin am Montag in einer digitalen Pressekonferenz in Gravenbruch erzählte. Auf der Fahrt in die Herberge in die grüne Lunge Frankfurts seien ihr noch einmal viele Gedanken durch den Kopf gegangen, die das verlorene Endspiel der Europameisterschaft gegen England betrafen. »Gefühlt war gestern das Finale. Ich bin immer noch nicht fertig damit, wie es gelaufen ist«, gestand die 54-Jährige.

Doch alles Hadern hilft ja nichts. Exakt vier Wochen nach dem rauschenden Empfang auf dem Frankfurter Römer versammelte Voss-Tecklenburg die EM-Heldinnen, um sie auf das Kontrastprogramm zu einem Höhepunkt wie das Finale vor 90 000 Fans in Wembley einzustellen: Die letzten beiden Spiele der WM-Qualifikation in der Türkei am kommenden Sonnabend und drei Tage später in Bulgarien werden für die deutschen Fußballerinnen dann wieder vor Mini-Kulissen in provinziellem Ambiente über die Bühne gehen.

Auftrag ist es, mit den finalen Pflichtsiegen das Ticket für das nächste Großereignis im Sommer 2023 in Australien und Neuseeland zu lösen, bevor überhaupt die Bundesliga der Frauen wieder angefangen hat. Aus Rücksicht auf die U20-WM in Costa-Rica – wo sich der deutsche Nachwuchs allerdings früh verabschiedete – steigt das Eröffnungsspiel zwischen Eintracht Frankfurt und Bayern München erst am 16. September. In der Frankfurter Arena soll mit einer Rekordkulisse das nächste Ausrufezeichen gesetzt werden, wünscht sich die Bundestrainerin doch, »dass wir die Gunst der Stunde sukzessive nutzen, dass wir die Leute in die Stadien kriegen.«

Für Voss-Tecklenburg ist es keine Option, sich nun wieder brav ins stille Kämmerlein zu verkriechen. »Wir dürfen uns nicht zurücklehnen. Wir wollen und müssen viele Dinge anschieben.« Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat nun ein gemeinsames Heimtrikot für Frauen und Männer herausgebracht, was dem Verband gut zu Gesicht steht, befand die gewohnt selbstbewusste Bundestrainerin: Ihr Team sei nicht nur sportlich erfolgreich gewesen, sondern »außerhalb des Feldes sehr sympathisch, leistungs- und werteorientiert aufgetreten: Wahrnehmung und Wertschätzung sind angekommen in der breiten Öffentlichkeit – das stimmt mich positiv«. So laufe der Vorverkauf für das Heimspiel gegen EM-Halbfinalist Frankreich am 7. Oktober in Dresden ausgesprochen gut.

Für die erste öffentliche Trainingseinheit nach der EM an diesem Dienstag im Stadion am Brentanobad gibt es 1300 Ticketregistrierungen. Autogramme, versprach die Cheftrainerin, gebe es bei freiem Eintritt obendrauf. Dann wird sich erstmals auch ihr neuer Co-Trainer Michael Urbansky zeigen. Der 41-Jährige war lange im Nachwuchsleistungszentrum von Carl Zeiss Jena tätig, arbeitete als DFB-Stützpunktkoordinator und betreute die U19-Juniorinnen. »Er wird uns mit seiner Expertise, seiner tollen Persönlichkeit bereichern. Er ist ein Typ, der gut zu uns passt«, versprach Martina Voss-Tecklenburg.

Die Neubesetzung war nötig geworden, weil mit Patrik Grolimund und Thomas Nörenberg zwei charismatische Helfer überraschend ausgeschieden sind. Der 42-jährige Schweizer Grolimund, bislang vor allem für die körperliche Ertüchtigung zuständig, will sich angeblich auf seine Aufgabe bei der Pro Lizenz-Ausbildung konzentrieren. Der gute Fitnesszustand und die geringe Verletzungsquote hatten ursächlich mit dem Schweizer zu tun, dessen direkte Art aber nicht allen Spielerinnen gepasst haben soll. Anders als beim 59-jährigen Nörenberg, der als Einpeitscher enorm geschätzt wurde, aber auf eigenen Wunsch seinen Vertrag auslaufen lässt. Beide Trainer hinterlassen mit ihrer fachlichen Eignung auf jeden Fall eine Lücke.

Das größte Bedauern gilt intern jedoch dem Fehlen der dritten Torhüterin Ann-Katrin Berger: Vergangene Woche hat die 31-Jährige selbst öffentlich gemacht, dass bei ihr nach vier Jahren der Schilddrüsenkrebs zurückgekehrt ist. Voss-Tecklenburg verriet, dass es erste Hinweise auf die erneute Erkrankung bei der Torfrau vom FC Chelsea bereits beim laufenden Turnier in England gegeben habe: »Wir hatten das Wissen, dass das Ergebnis nicht positiv sein kann. Am Ende der EM wussten wir dann, dass das Ergebnis nicht gut ist.« Bei der von ihr als Kämpfernatur charakterisierten Berger habe die erneute Behandlung bereits begonnen: »Wir drücken alle die Daumen: Was ich weiß, sind die Prognosen auch eher positiv.«

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