Tatsächlich eine Revolution?

Markus Drescher über die angekündigte Krankenhausreform

  • Markus Drescher
  • Lesedauer: 2 Min.

Dass das deutsche Krankenhaussystem und insbesondere dessen Finanzierung über die mittlerweile berühmt berüchtigten Fallpauschalen aus dem letzten Loch pfeifen, ist wahrlich nicht erst seit den derzeitigen katastrophalen Zuständen auf den Kinderstationen mehr als offensichtlich. Seit Jahren gibt es heftige Kritik von vielen Seiten am Vergütungssystem, das, wie nun endlich auch die verantwortliche Politik einsieht, die stationäre medizinische Behandlung hierzulande nun über fast 20 Jahre hinweg in den Ruin treibt – zumindest die Qualität der Versorgung und die Gesundheit der Beschäftigten. Etliche Klinikkonzerne hingegen haben über die Jahre natürlich sehr von der Ökonomisierung des Gesundheitswesens profitiert.

Wenn Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) nun nicht weniger als eine »Revolution« verspricht, die wieder die Medizin in den Vordergrund rücke und nicht mehr die Ökonomie, klingt das ja erstmals nicht verkehrt. Ob am Ende auch genau das herauskommt und was und wie viel Lauterbach von seinen Revolutionsplänen in dem bevorstehenden jahrelangen Reformprozess tatsächlich umsetzen kann, bleibt abzuwarten.

Zum einen, weil seit einem Jahr Ampel-Regierung es nun schon schlechte Tradition ist, dass die FDP quer schießt und sich im Zweifelsfall auch mit der Union verbündet, sobald es tatsächlich mal progressiv werden könnte. Zum anderen, weil in Sachen Krankenhäuser auch die Länder ein Wörtchen mitzureden haben, und Bayern bereits kurz nach Vorstellung der Reformpläne deutlich gemacht hat, dass es wenig angetan ist von Lauterbachs Revolution. Klar sollte allen Beteiligten jedoch eins sein: Klappt es jetzt nicht mit einer großen Gesundheitsreform, wird der Schaden am System wohl irreparabel.

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