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Im Geist der Bürgerrechtler
Der Afro-Amerikaner Raphael Warnock wird US-Senator für Georgia
Seit Dienstag steht fest: Raphael Warnock wird als erster afroamerikanischer US-Senator den Bundesstaat Georgia eine volle Amtszeit vertreten. Die vergangenen zwei Jahre hatte er den Posten interimsweise inne. Mit dem Sieg in der jetzigen Stichwahl tritt Warnock vor allem das Erbe des Bürgerrechts-Vorkämpfers und Kongress-Abgeordneten aus Georgia, John Lewis, an, der über 34 Jahre in Washington aktiv war.
»Ich bin Georgia«, sagte das elfte Kind eines Automechanikers und Laienpredigers aus Savannah nach der gewonnenen Wahl. Der 53-Jährige erinnerte sich auch an seine Mutter: Sie pflückte für andere Baumwolle und Tabak. Warnock predigt als Seniorpastor in der ehrwürdigen Ebenezer Church in Atlanta, wo Martin Luther King die Bürgerrechts-Bewegung anführte. Diese Pfarrstelle war für Warnock ein Adelsbrief. Doch dass sein Aufstieg erst über zwei Stichwahlen führen musste, sagt auch etwas über die bescheidene Rolle der schwarzen Kirche in der US-Politik aus. Anders als bei Black Live Matters ist der Ton sanfter und geduldiger. Er sorgt für weniger Schlagzeilen.
Warnock besteht auf seinem pastoralen Duktus. Er vergleicht eine Abstimmung mit einem »Gebet für die Welt, die wir ersehnen«. Oft distanziert er sich von der Rolle des Berufspolitikers. Die Zeitschrift »The New Yorker« fragte im Oktober, ob Warnocks romantische Rhetorik für den harten politischen Kampf der nächsten Jahre angemessen sei. Afroamerikaner wie der Republikaner Autry Pruitt agitieren gegen den Demokraten, damit Georgia seine alte Loyalität zur Republikanischen Partei behält.
Warnocks afroamerikanischer Vorgänger in Washington, John Lewis, saß Jahrzehnte im Kongress. Am Ende aber war die Basis mit dem Erreichten kaum zufrieden. Raphael Warnock wird wohl nicht so viel Zeit haben und muss Erfolge liefern – ein Zeichen des afroamerikanischen Fortschritts.
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