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Kostenfreie Klos für alle

Mehr öffentliche Toiletten werden umsonst nutzbar. Pankow stellt nun auch Periodenprodukte

  • Louisa Theresa Braun
  • Lesedauer: 4 Min.

Der Testbetrieb kostenfreier Toiletten in Berlin wird ausgeweitet. Ein erster Versuch wurde positiv bewertet, wie die Senatsumweltverwaltung am Dienstag mitteilte. Seit August werden 50 von insgesamt 278 neuen öffentlichen Toiletten entgeltfrei angeboten. Es habe sich gezeigt, dass diese häufiger genutzt werden, »es aber nicht zu auffällig vielen Fehlnutzungen kommt«, heißt es von der Umweltverwaltung. Daher sollen künftig zunächst 50 weitere Standorte dazukommen und langfristig alle umsonst nutzbar sein. Laut Umweltsenatorin Bettina Jarasch (Grüne) hat vor allem die Corona-Pandemie, in der zeitweise die Restaurants und Cafés nicht mehr zur Toilettennutzung zur Verfügung standen, gezeigt, dass kostenlose Toiletten »schlicht zur Daseinsvorsorge gehören – gerade für ärmere Menschen«.

»Berlin ist auf dem richtigen Weg«, freut sich Katalin Gennburg, Stadtentwicklungsexpertin der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus. Die Ausweitung des Angebots dürfe aber nicht bloß eine Wahlkampfankündigung sein, betont sie. Seit drei Jahren kämpfe sie für kostenlose Toiletten. »Das ist ein Grundrecht für alle und nicht nur für Männer«, sagt Gennburg zu »nd«. Umsonst sind in der Regel Pissoirs, während die meisten Toiletten-Kabinen Geld kosten. Völlig inakzeptabel ist für Gennburg auch, dass im Rahmen des Testbetriebs alle nicht-kostenlosen Klos nur noch mit der Bankkarte bezahlt werden können. Grund für die Umstellung im vergangenen Jahr war, dass die Bargeldbehälter zuvor massenhaft aufgebrochen wurden. Die bargeldlose Variante diskriminiere jedoch Menschen, die über keine Karte verfügen, zum Beispiel viele Obdachlose und Kinder, kritisiert Gennburg. »Wir wollen aber eine Stadt für alle.«

Die Kehrseite der Kostenfreiheit für die Berlinerinnen und Berliner sind die höheren Kosten auf der Seite des Landes, die für die Instandhaltung bei stärkerer Nutzung aufgewendet werden müssen. Ein Problem ist nicht zuletzt der Vandalismus. Das zeigen auch die neuen kostenlosen Öko-Klos am Kottbusser Tor in Kreuzberg, die nach einem Bericht der »Berliner Morgenpost« zwei Wochen nach der Aufstellung im Dezember zum Teil schon nicht mehr benutzbar waren. »Klar ist natürlich, dass das Geld kostet. Das muss drin sein«, findet Gennburg. Berlin könne sich da an Städten wie Paris, Sydney und Hannover ein Vorbild nehmen.

Laut Senatsumweltverwaltung ist die nun geplante Ausweitung innerhalb des bestehenden Haushalts machbar und beantragt. Die zusätzlichen Ausgaben, um alle Berliner Toiletten umsonst zugänglich zu machen, sollen im kommenden Doppelhaushalt 2024/2025 eingeplant werden.

Klopolitische Fortschritte gibt es auch in Pankow: Im Laufe des Januars sollen in den öffentlich zugänglichen Toiletten der Bürogebäude des Bezirksamtes Spender für kostenlose Menstruationsartikel angebracht werden. Damit »werden Personen, die diese benötigen, ganz konkret in ihrem Lebensalltag unterstützt und das Thema Menstruation enttabuisiert«, erklärt Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke). Insgesamt handelt es sich um 65 Edelstahlspender, die auf verschiedene Ortsteile verteilt werden, barrierefrei zugänglich sind und regelmäßig mit Tampons und Binden nachgefüllt werden.

Damit setzt Pankow einen Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung von 2021 um und ist nach Lichtenberg der zweite Bezirk, der Periodenprodukte kostenlos zur Verfügung stellt. In Tempelhof-Schöneberg und Treptow-Köpenick liefen im September vergangenen Jahres entsprechende Pilotprojekte an. Auch in dem Zusammenhang freut sich Katalin Gennburg, »dass Berlin auf dem Weg zu einer feministischen Stadt ist«.

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