Einfach Solarpanele aufs Dach

Auch denkmalgeschützte Häuser sollen ihren Beitrag zur umweltfreundlichen Stromerzeugung leisten

  • Matthias Krauß
  • Lesedauer: 3 Min.
Auch Baudenkmäler sollen Photovoltaikanlagen bekommen können.
Auch Baudenkmäler sollen Photovoltaikanlagen bekommen können.

In Brandenburg soll es möglich werden, Solaranlagen auf denkmalgeschützten Gebäuden zu installieren. Die Landesregierung plant dazu eine Änderung des Denkmalschutzgesetzes.
Kulturministerin Manja Schüle (SPD) sagte am Montag, solche Anlagen auf denkmalgeschützten Häusern würden künftig prinzipiell erlaubt sein. Eine Vorbedingung dafür: Die Solarpanele müssen wieder abmontierbar sein und dürfen dem Gebäude keinen Schaden zufügen. Außerdem dürfe der Eingriff in die zu schützende Denkmalsubstanz nur gering sein. Die Ministerin verwies auf Möglichkeiten, Solarfelder in Form und Farbe dem historischen Untergrund so anzupassen, dass optisch kaum ein Unterschied zu bemerken sei.

»Denkmalpflege kann Klimaschutz«, fügte Landeskonservator Thomas Drachenberg hinzu. Er wies allerdings darauf hin, dass viele denkmalgeschützte Gebäude nur kleine und damit ineffektive Flächen für die Solarstromerzeugung bieten. Tankstellen und Supermärkte seien da ergiebiger. Die Energiewende müsse so gestaltet werden, »dass wir unsere über Jahrhunderte gewachsene Baukultur nicht leichtfertig aufgeben«. Der Klimaschutz passe aber insofern zum Denkmalschutz, da Abriss Ressourcen vernichte und als wenig klimafreundlich gelte, sagte Drachenberg.

Brandenburg stelle sich dem anspruchsvollen Ziel, bis 2045 klimaneutral zu werden, erklärte Infrastrukturminister Guido Beermann (CDU). Er versicherte: »Beim Denkmalschutz geht es nicht nur um Romantik.« Bis 2026 sollen mehr als 34 Millionen Euro Fördermittel für Baudenkmale fließen.

Als besonders gelungenes Beispiel für den Denkmalschutz wurde bei dem Termin am Montag in der Potsdamer Staatskanzlei das neue Kreativwerk I und II in Hennigsdorf präsentiert. Das 1926 errichtete Schulgebäude wurde zu DDR-Zeiten als Erweiterte Oberschule »Alexander Puschkin« genutzt und nach der Wende noch einige Jahre als Alexander-Puschkin-Gymnasium. Weil die Schülerzahlen aber hier wie andernorts drastisch zurückgingen, stand das Haus schließlich 15 Jahre lang leer, informierte Birgit Tornow-Wendland von der KBI GmbH Hennigsdorf, die das Umbauprojekt der Stadt begleitete.

In den vergangenen drei Jahren wurde das Gebäude – das seit 1995 unter Denkmalschutz steht – in ein Gründer- und Gewerbezentrum umgebaut. Auch die 1926 eingebauten Trinkbrunnen sprudeln jetzt dort wieder. Für 15,8 Millionen haben Stadt und Land das Haus denkmalgerecht saniert und modernisiert. Laut Tornow-Wendland ist so ein in der Region einzigartiges Angebot aus Büro- und Gemeinschaftsflächen sowie Konferenz- und Besprechungsräumen mit neuem Fahrstuhl entstanden. »Im Herzen Hennigsdorfs können Gründerinnen und Gründer aus der Kreativwirtschaft die umfassenden Möglichkeiten nutzen, um miteinander zu kooperieren und ihre Ideen zu verwirklichen.«

Seit Anfang des Jahres ist das Gebäude bezugsfertig, die ersten sechs Mietverträge seien unter Dach und Fach, sagte Tornow-Wendland. Ihr zufolge tragen sich einstige Hennigsdorfer Abiturienten, die jahrzehntelang fern der Heimat ihr Glück suchten, mit dem Gedanken, zurückzukehren und in ihrer alten Schule ihrem Beruf nachzugehen.

Die Schwierigkeiten, aber auch das Abenteuerliche einer vorwiegend vom Ehrenamt getragenen Bahnhofssanierung schilderte Sarah Herke aus Lindow. Aus dem alten Bahnhof soll ein Ort für Begegnungen werden. Ehrenamtlich beteiligen sich Handwerker und andere Firmen an Sanierung und Umbau. Unter ihre Fittiche genommen wurde dieses Projekt von der ehrenamtlich geführten Genossenschaft »Räume & Menschen« mit dem Sitz in Neulöwenberg. »Ich verliebe mich immer wieder aufs Neue in dieses Gebäude«, sagte Herke. 2022 sei ein »schwieriges Jahr« gewesen, ergänzte sie mit Blick auf Preissteigerungen auch für Bauleistungen.

In der Denkmalliste des Landes Brandenburg sind rund 14 000 Baudenkmale aufgeführt.

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