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  • Monetotschka aus Russland

Stimme der Solidarität

Die Sängerin Monetotschka wurde in Russland zur »ausländischen Agentin« erklärt

  • Ewgeniy Kasakow
  • Lesedauer: 2 Min.
Monetotschka bei einem Solidaritätskonzert für die Ukraine in Warschau
Monetotschka bei einem Solidaritätskonzert für die Ukraine in Warschau

Im Leben von Jelisaweta Gyrdymowa ging alles ganz schnell. Mit 18 begann die gebürtige Jekaterinenburgerin, ihre selbstgeschriebenen Lieder zu Klavier oder Keyboard ins Netz zu stellen. Mit 20 brachte »Monetotschka« (»Münzchen«), so ihr Künstlername, ihr zweites Album »Ausmalbilder für Erwachsene« heraus und wurde schlagartig landesweit berühmt. Augenzwinkernder Anti-Folk, eine hohe Stimme als Markenzeichen, kluge Texte ohne plakative Statements – der Weg sowohl ins Showbusiness wie auch in die Herzen der liberalen Opposition, die Andeutungen zu entziffern verstand, war geebnet. Monetschkas Lieder waren für viele Russen der Soundtrack des Jahres 2018. Es folgten Auftritte im Fernsehen, eine Filmrolle und die Synchronisation von Pixar-Produktionen für den russischen Markt.

Politisch hatte sich die Sängerin eher subtil eingemischt. Bis Wladimir Putin in die Ukraine einmarschierte. Mit ihrem Mann verließ die Schwangere kurz darauf Russland. Ihre Tochter brachte sie im litauischen Vilnius zur Welt. Dort stellte sie unmissverständlich klar, Gegnerin von Putins »Russischer Welt« zu sein. Gemeinsam mit anderen emigrierten Musikern, wie dem Rapper Noize MC, gibt sie seitdem Konzerte, deren Einnahmen für die ukrainische Flüchtlinge und Kriegsopfer gespendet werden. Als Drohung veröffentlichten staatsnahe Telegram-Kanäle die Adresse ihrer Moskauer Wohnung und posteten Bilder vom Hauseingang. Grund genug für Monetotschka, die Wohnung zu verkaufen.

Vor wenigen Tagen erklärte das Justizministerium die Sängerin wegen ihrer offenen Sympathie für die Ukraine zur »ausländischen Agentin«, außerdem soll sie »Unterstützung aus ausländischen Quellen« erhalten haben. Überraschend war der Schritt nicht, schon eher, dass das Justizministerium erstmals erklärte, warum jemand zum »ausländischen Agenten« wurde.

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