Plakative Wahlkampfhilfe

Wie Brandenburger Genossen die Berliner Linke vor der Abstimmung am 12. Februar unterstützen

Nicht nur Berliner Genossen haben Wahlplakate wie dieses aufgehängt, auch Auswärtige haben dabei geholfen.
Nicht nur Berliner Genossen haben Wahlplakate wie dieses aufgehängt, auch Auswärtige haben dabei geholfen.

Frank Müller war früher Kreisgeschäftsführer der Linkspartei im brandenburgischen Landkreis Barnim. Er wohnt in Ahrensfelde, einer Gemeinde, die sich unmittelbar an Berlin-Marzahn anschließt. Den Genossen in der Hauptstadt beim Wahlkampf zu helfen, ist für ihn überhaupt keine Frage. Er kennt sie nicht zuletzt von gemeinsamen Bemühungen rund um die umstrittene Umgehungsroute der Bundesstraße B158 und versteht sich sehr gut mit ihnen. Man unterstützt sich gegenseitig, so gut es geht. »Auf die Berliner Genossen ist Verlass. Die kommen immer und helfen mir«, lobt Frank Müller.

Nun konnte er sich revanchieren. Vor der Berliner Wiederholungswahl am 12. Februar hängte der 62-Jährige in Marzahn-West Wahlplakate auf. 26 Stück packte er in den Kofferraum seines Autos und fuhr von Laternenmast zu Laternenmast. Gern hätte er es gesehen, wenn es alles Friedensplakate wären. Solche Friedensplakate hatten seine Berliner Mitstreiter im Marzahner Norden auch angefordert, aber nicht bekommen, bedauert er. Irgendwas fehlt noch auf den gelieferten Plakaten, dachten sie sich gemeinsam und kamen auf eine Idee: Sie besorgten sich im Online-Shop der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) Aufkleber mit Friedenstauben und pappten auf jedes Wahlplakat einen davon – auch auf die Plakate mit dem Konterfei von Kultursenator und Spitzenkandidat Klaus Lederer, der in der Linken bekanntlich zu der Minderheit gehört, die Waffenlieferungen an die Ukraine befürwortet. »So war es für uns in Ordnung«, sagt Frank Müller über die mit Friedenstauben ergänzten Plakate und muss schmunzeln.

Müller ist einer von etlichen Brandenburgern, die ihren Berliner Genossen in den zurückliegenden Tagen und Wochen im Wahlkampf zur Seite standen. Insgesamt halfen in der Hauptstadt rund 150 Mitglieder anderer Landesverbände, erklärt der Berliner Landesgeschäftsführer Sebastian Koch. Darunter seien 15 Brandenburger gewesen, von denen die Zentrale weiß. Koch geht jedoch davon aus, dass es tatsächlich sehr viel mehr waren. Denn wegen der räumlichen Nähe, und weil man sich persönlich kennt, hätten sich bestimmt viele Brandenburger direkt an die Berliner Bezirksverbände gewandt und nicht an die zentrale Wahlkampfkoordinierung. So wie Frank Müller aus Ahrensfelde.

»Wir hatten lange nicht so eine gute Unterstützung bei Wahlkämpfen«, bedankt sich Koch. Der Bundesverband habe Personal abgestellt: »Drei Leute für unsere Wahlkampfzentrale.« Die Auswärtigen haben Plakate angebracht, sich hinter Infotische gestellt, Flugblätter verteilt und an Wohnungstüren geklingelt.

Im Haustürwahlkampf war auch Bundesgeschäftsführer Tobias Bank aktiv, der im brandenburgischen Wustermark lebt. Sein Arbeitsort ist das Berliner Karl-Liebknecht-Haus, und am Mittwoch ist er von 16 bis 18 Uhr nach Berlin-Treptow geeilt und hat gemeinsam mit der Abgeordneten Katalin Gennburg in deren Wahlkreis bei den Leuten geklingelt. Vor 20 Jahren wohnte Gennburg noch in der Nähe von Wustermark im brandenburgischen Falkensee, und da hat sie auch schon Seite an Seite mit Tobias Bank Wahlkampf gemacht. Nun also in Berlin, wo sie seit 2016 im Abgeordnetenhaus sitzt. Schon 2016 half ihr Tobias Bank, 2021 wieder und jetzt das dritte Mal. Die Reaktionen an den Wohnungstüren seien positiv gewesen, »die meisten Leute haben Katalin Gennburg sofort erkannt«, erzählt Bank, der im vergangenen Jahr Bundesgeschäftsführer wurde und von den Schwierigkeiten seiner Partei weiß.

Dass Gennburg trotz aller Probleme so gut ankommt, wundert ihn nicht. »Katalin hat eine überwältigende Art, Menschen von unseren Themen zu überzeugen«, schwärmt er. Inhaltlich stimmt sie mit vielen Bürgern in ihrem Wahlkreis überein. Denn ein Großteil der Anwohner lehnt den Weiterbau der Stadtautobahn A100 ab, da die Piste direkt durch den Kiez führen würde. Ebenso unbeliebt ist die geplante Schließung des Parkcenters Treptow mit seinen Läden und einem Kino. Die Losung »Brötchen statt Büros« trifft einen Nerv.

Neben Katalin Gennburg durfte Berlins Linksfraktionschefin Anne Helm auf Tobias Bank zählen. Am Montag moderierte er eine Veranstaltung mit ihr. Wahlkampf macht Bank aber nicht nur in Berlin, wo er quasi nur aus dem Karl-Liebknecht-Haus herauszutreten braucht. Am Dienstag reiste er ins weit entfernte Mainz und traf dort den linken Oberbürgermeister-Kandidaten Martin Malcherek. Daniela Mehler-Würzbach, OB-Kandidatin in Frankfurt am Main, war auch dort. »Die sind beide Spitze«, freut sich Tobias Bank. »Die Wahlkämpfer stemmen so viel. Das will ich würdigen. Ohne sie würde es uns gar nicht geben.«

Eine besondere Form der Wahlkampfunterstützung hat sich Brandenburgs Linksfraktionschef Sebastian Walter ausgedacht. Er muss dazu nicht in die Hauptstadt kommen. Immer wenn es thematisch passt, verpackt der Oppositionspolitiker im Potsdamer Landtag eine Kritik an der rot-schwarz-grünen Landesregierung in ein Lob des rot-grün-roten Senats im Nachbarland. »Brandenburg redet und Berlin handelt – nicht nur in diesem Fall«, sagt er dann und bezieht das auf eine Tariftreueklausel für öffentliche Aufträge oder andere Dinge. Aufmerken sollen dabei nicht nur die Brandenburger, sondern auch die Berliner Wähler.

2024 wird in Brandenburg der Landtag gewählt. Dann ist der dortigen Linken Hilfe aus Berlin willkommen. Bei der Landtagswahl 2019 bestückte Berlins Landesvorsitzende Katina Schubert in Neuenhagen Briefkästen mit Postkarten der Kandidatin Franziska Schneider, für die es am Ende nicht reichte.

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