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Ressourcenverbrauch: Deutschland lebt wieder auf Pump

Der viel zu hohe Ressourcenverbrauch in Deutschland und vielen anderen Ländern ist ein Hauptgrund für globale Erwärmung und Artensterben

  • Olaf Bandt
  • Lesedauer: 3 Min.

Am Donnerstag war in Deutschland der Erdüberlastungstag. Das heißt: Ab Freitag leben wir mal wieder auf Pump. Wir überziehen unser Konto jedes Jahr von Neuem auf dramatische Weise und immer auf Kosten anderer – unserer Kinder und Enkel sowie der Menschen im Globalen Süden. Nach nur vier Monaten haben wir alles verschleudert, was uns der Planet an natürlichen Ressourcen für ein Jahr bereitstellt.

Pressen wir unsere Erde weiter so aus, verspielen wir die Lebensgrundlage der Menschen. Die Klimakrise werden wir so beschleunigen. Denn das ökologische Hauptproblem ist die Ressourcenverschwendung. Artensterben und globale Erwärmung sind nur die Symptome.

Doch die Ressourcenschutzpolitik läuft seit Jahrzehnten ins Leere. Seit 1970 hat sich der Verbrauch weltweit verdreifacht. Ohne Gegenmaßnahmen würde er sich bis 2060 noch einmal verdoppeln. In Deutschland stagniert der Verbrauch auf einem viel zu hohen Niveau. Weder national noch international gibt es verbindliche Ziele, geschweige denn einen rechtlichen Rahmen, um den Ressourcenverbrauch zu verringern. Dabei ist der Verbrauch für 90 Prozent des Wasserstresses und des Verlusts an biologischer Vielfalt verantwortlich, zudem für die Hälfte der globalen Treibhausgase.

Den Schaden, den insbesondere der globale Norden anrichtet, haben alle, aber vor allem der Globale Süden leidet. Denn die Ressourcen werden weltweit sehr ungleich beansprucht. Entsprechend ungleich verteilen sich die Schäden.

Auch im Globalen Norden ist die Ressourcennutzung sehr unfair verteilt und stark einkommensabhängig. Eine gerechte Verteilung gebietet also eine viel größere Beschränkung der Vielverbraucher. Die soziale Ungleichheit muss bei allen Forderungen nach einem ökologischen Ressourcenumgang berücksichtigt werden. Wirksame sozial-ökologische Politik bedeutet weniger Ungleichheit und mehr Umverteilung.

Um einem generellen Richtungswechsel kurzfristig die nötigen Impulse zu geben, muss die Bundesregierung muss ihre Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag einlösen und den rechtlichen Rahmen so anpassen, dass der Ressourcenverbrauch reduziert wird. Um Klimakrise und Artensterben aufzuhalten, muss der Verbrauch Deutschlands bis 2030 um die Hälfte und bis 2050 um 85 Prozent sinken. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert daher von der Bundesregierung bis 2026 ein Ressourcenschutzgesetz mit diesen verbindlichen Zielen.

Ein solches Gesetz muss sich auf Ressourcen wie Böden und Flächen, Acker- und Weideland, Fischgründe, Wald und Holz beziehen. Und gleichermaßen auf Baumaterialien wie Beton und Gips sowie Lithium und andere Metalle, die unter anderem für Elektronik und Batterien benötigt werden.

Die nötige Verringerung des Ressourcenverbrauchs ist eine enorme Herausforderung. Neben der Kohleindustrie werden zahlreiche andere Branchen verschwinden, deutlich schrumpfen oder ganz neu aufgestellt werden müssen – etwa die Automobil- und die Chemieindustrie. Eine ressourcenschonende Mobilität zum Beispiel funktioniert nur mit öffentlichen und partizipativen Infrastrukturen, also einem gut ausgebauten Nah- und Fernverkehr, der für alle Teile der Gesellschaft zugänglich ist. Das bedeutet auch deutlich weniger Autos auf der Straße, in der Produktion, in den Werkstätten und in den Zulieferbetrieben, weniger Parkhäuser, weniger Straßenbaubetriebe, weniger Tankstellen und weniger Absatz für die Chemieindustrie. Mit dem Wegfall ihres Hauptrohstoffes Erdöl wird die Chemieindustrie auf viele umweltschädliche Produkte verzichten müssen.

Diese Aufgaben sind gigantisch. Aber die Folgen des Nichthandels wären katastrophal. Ein Ressourcenschutzgesetz und verbindliche Ziele können bei einem planbaren Wandel helfen.

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