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Vierte Montagsdemo in Folge: Radfahren gegen den Radwege-Stopp

Seit Manja Schreiners Radwege-Planungsstopp radeln Demonstrierende jeden Montag durch einen Berliner Kiez

  • Nora Noll
  • Lesedauer: 3 Min.
Zum vierten Mal radelte eine Montagsdemo durch den Kiez und machte auf fehlende Fahrrad-Infrastruktur aufmerksam – diesmal vom Ostkreuz zum Frankfurter Tor.
Zum vierten Mal radelte eine Montagsdemo durch den Kiez und machte auf fehlende Fahrrad-Infrastruktur aufmerksam – diesmal vom Ostkreuz zum Frankfurter Tor.

»Wenn ich mit meinem Fahrrad fahr, dann ist die Welt ganz einfach«, schallt ein Lied von Max Raabe über die Warschauer Straße. Hinter dem Lastenrad mit Lautsprecher fahren am Montagmorgen rund 100 Räder durch Friedrichshain. Sie haben sich der vierten Montagsdemo angeschlossen, die zu Wochenbeginn durch die Straßen eines immer anderen Bezirkes fährt.

Anlass für die neue Tradition war die Ankündigung aus der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt am 16. Juni, Planungen für neue Radwege auf Eis zu legen. Seitdem tragen Fahrradfahrer*innen ihren Ärger auf die Straßen Berlins. Laut der Initiative Changing Cities gab es bereits elf Demonstrationen.

Neben Großevents wie der berlinweiten Fahrrad-Demonstration Anfang Juli, die mehrere Tausend Teilnehmer*innen zählte, will Changing Cities mit den Montagsdemonstrationen kontinuierlichen Protest verankern. »Wir wollten nach den 13 000 Menschen nicht sagen: Das war’s jetzt«, erzählt Inge Lechner, die die Tour durch den Friedrichshainer Südkiez angemeldet hat. »Jeder Bezirk macht einen Schmerzpunkt aus, das sind teilweise ganz akute Probleme.« So ist für den Nachmittag eine Tour durch Reinickendorf geplant. Ein Radweg in der Ollenhauerstraße war dort kurz vor Eröffnung gesperrt worden: Der Bezirk überklebte die weißen Fahrrad-Markierungen mit gelben Kreuzen. Am Montag kündigten jedoch Bezirk und Senatsverwaltung in einer gemeinsamen Pressemitteilung an, den Schutzstreifen »zeitnah« wieder freizugeben.

Die Runde vom Ostkreuz zum Frankfurter Tor und dann weiter über die Revaler, Boxhagener und Warschauer Straße zurück zum Frankfurter Tor hat laut Lechner eher prophylaktischen Charakter. »Wir sind ja durch den Bezirk ganz gut aufgestellt«, sagt sie in Bezug auf die Nebenstraßen. An den Hauptstraßen, für die der Senat verantwortlich ist, gebe es dennoch Verbesserungsbedarf.

Konkret bezieht sich Lechner auf die Boxhagener Straße: »Das ist eine Katastrophe, da gibt es nur kurze Hochboard-Abschnitte an den Tram-Haltestellen, aber ansonsten fährt man zwischen Parkstreifen und Schienen. Wenn da eine Autotür aufgeht, wird es gefährlich.« In der Revaler Straße soll ein geschützter Radfahrstreifen entstehen, das Planungsbüro Infravelo gibt für den Bauzeitraum das dritte und viertel Quartal 2023 an. »Das ist geplant und beschlossen, aber bei der derzeitigen Politik muss man ja befürchten, dass es dann heißt: Nee, doch nicht«, so Lechner.

Die Kampfansage gegen Radwege von Mobilitätssenatorin Manja Schreiner sorgt am Montag für Motivation. Immer wieder nennen Fahrrad-Demonstrant*innen den Planungsstopp als Grund für ihre Teilnahme. Stefan fährt zum wiederholten Mal mit. »Das ist mein Hauptverkehrsmittel«, begründet er seinen Einsatz für die Radinfrastruktur. »Ich habe lange in Holland gelebt und gesehen, wie das Städte schöner macht.«

Sandra hat an ihrem Fahrradsattel eine »Respect Cyclicsts«-Fahne befestigt. Sie gehört zwar schon seit Längerem der Critical-Mass-Bewegung an, »aber der Baustopp hat mich getriggert«. Jeden Tag fahre sie mit dem Fahrrad zur Arbeit, »und ich habe tatsächlich oft Angst um mein Leben«. Seit der offenen Anti-Radwege-Politik kommen ihr die Autofahrer*innen rücksichtsloser vor: »Sie hupen, drängeln, überholen dichter.«

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Nach zwei Runden endet die Demonstration am Frankfurter Tor. Eine Teilnehmerin ergreift das Wort. »Es könnten nächstes Jahr die 1,5 Grad Erderwärmung erreicht werden«, sagt sie. »Da möchte ich fragen, warum wir gerade prüfen, anstatt umzusetzen.«

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