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Viertälteste Airline der Welt hebt wieder ab

Mexikos Regierung will die Mexicana de Aviación kaufen. Der Entscheidung gingen 13 Jahre Arbeitskampf voraus

  • Andreas Knobloch, Havanna
  • Lesedauer: 4 Min.

13 Jahre nach ihrem Verschwinden ist die viertälteste Fluglinie der Welt wieder zurück. Nach wochenlangen Spekulationen erzielte die mexikanische Regierung nun eine Einigung über den Kauf der altehrwürdigen Marke Mexicana de Aviación. Möglich wurde dies durch eine richterliche Entscheidung in letzter Sekunde. Mit dem Kauf endet nun auch ein erbitterter 13-jähriger Arbeitskampf.

Mit Ablauf eines Ultimatums der Regierung hob ein Arbeitsgericht in Mexiko-Stadt vor einigen Tagen eine einstweilige Verfügung auf, die eine Gruppe von 220 pensionierten Flugbegleitern der bankrott gegangenen Fluglinie gegen den Verkauf der Vermögenswerte und Markenrechte der Mexicana an die Regierung beantragt hatte. Die Richter machten somit den Weg für eine Neugründung frei. Geht es nach den Plänen der Regierung, sollen ab dem 1. Dezember wieder Flugzeuge mit dem Namen der traditionsreichen Airline abheben. Das Projekt soll, wie zahlreiche andere Großprojekte auch, vom Verteidigungsministerium betrieben werden.

»Es ist eine gute Nachricht«, begrüßte Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador den Gerichtsentscheid. »Das Problem ist gelöst. Es müssen noch weitere Schritte unternommen werden, aber wir sind zufrieden. Ich denke, die Beschäftigten sind es auch, denn sie werden Zahlungen erhalten.«

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Zustimmung der Gewerkschaften

Die Regierung hatte Anfang des Jahres einen Vorschlag zum Kauf der Marke Mexicana de Aviación sowie eines Ausbildungszentrums, eines Flugsimulators und zweier Gebäude in Guadalajara und Mexiko-Stadt für insgesamt 817 Millionen Pesos (rund 43,5 Millionen Euro) unterbreitet. Auch wenn die angebotene Summe nicht einmal zehn Prozent dessen ausmacht, was den Ex-Beschäftigten der Fluggesellschaft laut Schiedssprüchen zusteht – die Rede ist von mehr als 9 Milliarden Pesos (480 Millionen Euro) – stimmten die verschiedenen Gewerkschaften der Vereinbarung zu.

Dann aber stellte sich eine kleine Gruppe quer. Sie versuchte, einen vor Jahren erwirkten Schiedsspruch durchzusetzen, der ihr die Zahlung von rund 400 Millionen Pesos (21 Millionen Euro) aus der Konkursmasse der Fluggesellschaft zugestand. Die mehr als 6000 anderen Ex-Angestellten hätten sich mit den verbleibenden 417 Millionen Pesos begnügen müssen – und wohl jahrelange Gerichtsverfahren angestrengt.

Mit dem Richterspruch findet auch der 13 Jahre andauernde Arbeitskampf der früheren Mexicana-Beschäftigten ein halbwegs versöhnliches Ende. Jahrelang hielten Beschäftigte einen Abschnitt des internationalen Flughafens von Mexiko-Stadt besetzt, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Nun erhalten sie einen proportionalen Teil ihrer ausstehenden Abfindungen und Pensionen.

Wenig Geld ist besser als kein Geld

»Das wird eine Belohnung für all das sein, was sie seit den Zeiten des Neoliberalismus erlitten haben«, erklärte Präsident López Obrador zudem. Er kritisierte Mexikos ehemaligen Präsidenten Vicente Fox, in dessen Amtszeit das Ende der Mexicana fiel. Fox habe die Airline »quasi als Geschenk an einen seiner engen Mitarbeiter übergeben, der das Unternehmen dann in den Bankrott trieb«, so der Präsident weiter. »Er wurde nicht zur Rechenschaft gezogen, es herrschte Straflosigkeit, so wie es früher war, dass immer diejenigen an der Spitze geschützt wurden; die Arbeiter wurden auf die Straße geworfen.«

Die ehemals staatliche Fluglinie Mexicana de Aviación war 2005 für einen Bruchteil ihres Wertes privatisiert worden – einschließlich der mit 130 Millionen US-Dollar gut gefüllten Pensionskasse des Unternehmens. Fünf Jahre nach der Übernahme durch Gastón Azcárraga und dessen Konzern Grupo Posadas hatte die Airline einen Schuldenberg von mehr als 800 Millionen US-Dollar angehäuft. Die Mexicana beantragte daraufhin Konkurs und stellte 2010 den Flugbetrieb ein.

Fausto Guerrero Díaz, Präsident der Vereinigung der früheren Mexicana-Angestellten, sprach nach dem Urteil von »großer Freude«. Der Kauf der Vermögenswerte durch die Regierung bedeute für die Angestellten, dass sie »nach 13 Jahren Arbeitskampf zumindest über einige Mittel verfügen«. Alles andere hätte weitere, jahrelange Gerichtsverfahren bedeutet – nach den ohnehin schon vergangenen Jahren. Die Folge wäre, dass weitere Ex-Mitarbeiter ohne Abfindungen gestorben wären und der Wert der Marke weiter verfallen wäre.

Angesichts dessen sei es wichtig gewesen, »den gesunden Menschenverstand walten zu lassen und diesen Vorschlag anzunehmen«, erklärte Guerrero weiter, auch wenn »eine kleine Gruppe total unzufrieden« und die Mehrheit der (Ex-)Beschäftigten von der Höhe der Zahlungen »desillusioniert« sei. Doch wenig Geld ist besser als gar keins: »Ich denke, dass die Menschen allgemein zufrieden sind, weil sie ein wenig Geld erhalten und Mexicana wieder fliegt und in mexikanischen Händen ist.«

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