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Israel erlaubt Rückkehr in evakuierte Orte nahe Gazastreifen

Laut dem UN-Kinderhilfswerk Unicef ist der Wassermangel im Gazastreifen inzwischen eine Frage von Leben und Tod

  • Cyrus Salimi-Asl
  • Lesedauer: 3 Min.
Palästinenser versammeln sich im Flüchtlingslager Nusseirat im Zentrum des Gazastreifens vor einem Gebäude, das von einem israelischen Angriff getroffen wurde.
Palästinenser versammeln sich im Flüchtlingslager Nusseirat im Zentrum des Gazastreifens vor einem Gebäude, das von einem israelischen Angriff getroffen wurde.

Rund sechs Wochen nach Beginn des Gaza-Krieges erlaubt Israel laut Medienberichten Einwohnern die Rückkehr in ihre Heimatorte in der näheren Umgebung des Gazastreifens. Israelis, die bis zu vier Kilometer vom Gazastreifen entfernt gewohnt hätten, dürften wieder in ihre Häuser zurückkehren, berichtete der Rundfunksender Kan am Dienstag und veröffentlichte ein entsprechendes Schreiben der Armee auf der Plattform X (vormals Twitter). Grund sei der Fortschritt der Kämpfe im Gaza-Krieg. Das Militär äußerte sich zunächst nicht dazu. Laut der Nachrichtenseite ynet waren nach dem Massaker der islamistischen Hamas im Süden des Landes am 7. Oktober Orte bis zu sieben Kilometer von der Grenze entfernt evakuiert worden. Bei dem Massaker waren nach israelischen Angaben rund 1200 Menschen getötet worden, rund 240 Geiseln wurden in den Gazastreifen verschleppt.

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Ende Oktober hatte rund eine Viertelmillion Menschen in Israel wegen des Gaza-Kriegs und der Gefechte an der libanesischen Grenze ihre Wohnorte verlassen. Das Verteidigungsministerium teilte damals mit, 126 000 Menschen seien im Rahmen eines offiziellen Räumungsprogramms an weniger gefährdeten Orten untergebracht worden. Zudem hätten viele Menschen von sich aus ihre Wohnorte verlassen, um sich in Sicherheit zu bringen, sodass sich die Zahl insgesamt auf rund 250 000 belaufe. Israel hat knapp zehn Millionen Einwohner.

Derweil nimmt der Wassermangel im Gazastreifen nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef dramatische Ausmaße an. Die Gefahr der Ausbreitung von Krankheiten wachse täglich dramatisch, sagte der Unicef-Sprecher James Elder.

Er sprach über Videolink aus Kairo zu Reportern in Genf. Es gebe bereits tausende Fälle von Windpocken, Durchfall-, Atemwegs- und Hauterkrankungen, berichtete die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Cholera-Fälle gebe es nicht, das entsprechende Bakterium zirkuliere im Gazastreifen nicht.

Im Norden des Gazastreifens, den Israel seit Wochen räumen will, halten sich nach aktualisierten Schätzungen von Unicef noch rund 700 000 Menschen auf. Viele hätten nur drei Liter Wasser am Tag zur Verfügung, das Minimum zum Trinken, Waschen und Kochen seien 15 Liter.

Unicef und WHO fordern dringend mehr Treibstoff zum Betreiben von Entsalzungsanlagen und Wasserpumpen und für die Abwasserklärung. Ob die Wasser- und Abwasseraufbereitung wieder hergestellt werde, entscheide darüber, »ob tausende oder zehntausende Kinder überleben oder sterben«, sagte Elder. Unicef macht keinen Unterschied zwischen Kindern und Jugendlichen. Alle Minderjährigen werden als Kinder bezeichnet. Nach seinen Angaben sind unter den mehr als 1,7 Millionen Vertriebenen rund 800 000 Minderjährige.

Elder erinnerte daran, dass unter den verheerenden Zuständen im Gazastreifen auch mehr als 30 Kinder und Jugendliche leben, die am 7. Oktober von Terroristen aus Israel entführt worden sind.

Die Europäische Union setzt ihre Finanzhilfen für die Palästinenser fort, will sie aber an schärfere Auflagen knüpfen. Ein Prüfbericht habe keinen Hinweis ergeben, dass EU-Geld direkt oder indirekt der radikalislamischen Hamas zugeflossen sei, sagte Vizekommissionspräsident Valdis Dombrovskis am Dienstag in Straßburg. Nach Angaben eines hochrangigen EU-Beamten will Brüssel künftig aber stärker überprüfen, ob Empfänger der Gelder zu Hass, Gewalt oder Antisemitismus aufrufen. Unter dem Eindruck des Hamas-Angriffs auf Israel am 7. Oktober hatte die EU ihre Unterstützung für die Palästinenser auf den Prüfstand gestellt. Nun legte die EU-Kommission ihren Bericht zu Hilfen in Höhe von 331 Millionen Euro für das laufende Jahr vor. 

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