Kritik an geplanter Offensive auf Rafah

Israelische Spezialkräfte befreien zwei Männer aus den Händen der Hamas

  • Cyrus Salimi-Asl
  • Lesedauer: 2 Min.
Innerhalb des Gazastreifens vertriebene Palästinenser bei der Stadt Rafah, in der Nähe der Grenze zwischen Gaza und Ägypten
Innerhalb des Gazastreifens vertriebene Palästinenser bei der Stadt Rafah, in der Nähe der Grenze zwischen Gaza und Ägypten

Die israelische Regierung führt ihre Planungen für eine großangelegte Offensive auf die Stadt Rafah an der ägyptischen Grenze fort. Die letzte Entscheidung soll aber noch nicht getroffen sein. US-Medien hatten berichtet, dass Israels Armee die Planung einer Militäroffensive auf Rafah bisher nicht abgeschlossen habe. Sie werde »wahrscheinlich einige Zeit in Anspruch nehmen« und sei auch bislang nicht Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vorgelegt worden, zitierte die »New York Times« israelische Beamte und Analysten. Die Strategie sei »sehr komplex«.

Dennoch deutet vieles darauf hin, dass ein Angriff auf breiter Front bald bevorstehen könnte. So hat Israels Regierung die in der Region tätigen UN-Organisationen dazu aufgefordert, bei der Evakuierung von Zivilisten aus Rafah zu helfen. Derzeit sollen sich dort rund 1,3 Millionen Menschen aufhalten, die meisten geflohen vor den Kämpfen in anderen Teilen des Gazastreifens, auch auf Anordnung des israelischen Militärs. Anscheinend plant die israelische Armee die Evakuierung von Hunderttausenden Zivilisten.

Das Vorhaben stößt international auf Kritik, da es praktisch keine Fluchtmöglichkeit gibt. Großbritannien hat Israel vor einer möglichen Rafah-Offensive zum »seriösen Nachdenken« aufgefordert. »Wir sind sehr besorgt über das, was in Rafah geschieht«, erklärte am Montag Außenminister David Cameron vor Journalisten. »Die Menschen, die sich dort befinden, sind oft bereits vier, fünf oder sechs Mal vertrieben worden. Sie können nirgends hin.« Die ägyptische Regierung ist fest entschlossen, die Grenze zum Gazastreifen dicht zu halten.

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Unterdessen ist es der israelischen Armee zum ersten Mal seit Beginn des Gaza-Krieges vor mehr als vier Monaten gelungen, zivile Geiseln lebend aus der Gewalt der islamistischen Hamas zu befreien. Die beiden Männer im Alter von 60 und 70 Jahren kamen in der Nacht zum Montag bei einem Einsatz israelischer Spezialkräfte in Rafah frei. Die befreiten Geiseln wurden per Hubschrauber in das Schiba-Krankenhaus bei Tel Aviv gebracht und dort von ihren Familien in die Arme geschlossen. Direkt nach der Erstürmung des Gebäudes begann Israels Luftwaffe nach Militärangaben mit Angriffen im Raum Rafah, um den Rückzug der Einsatzkräfte zu ermöglichen. Bei den Angriffen und Kämpfen wurden nach Angaben der Hamas-Gesundheitsbehörde in der Nacht mindestens 67 Menschen getötet, darunter Kinder und Frauen. Mit Agenturen

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