Gaza-Krieg: Präzises Framing

Matthias Monroy zur Wortklauberei des israelischen Militärs

Palästinenser inspizieren nach einem israelischen Luftangriff am Sonntag in Rafah zerstörte Zelte.
Palästinenser inspizieren nach einem israelischen Luftangriff am Sonntag in Rafah zerstörte Zelte.

Mit klugen Worten die Deutungshoheit in politischen Debatten erobern: Dieses sogenannte Framing ist die Königsdisziplin von Regierungs- und Militärsprechern, auch in Tel Aviv. Am Sonntag haben israelische Raketen Dutzende Menschen in einem Flüchtlingslager in Rafah getötet. Der Angriff habe zwei ranghohen Hamas-Vertretern gegolten, behaupteten die Sprecher, und sei mit »Präzisionsmunition« erfolgt. »Präzise Geheimdienstinformationen« hätten zuvor belegt dass es sich um »legitime Ziele« gehandelt habe.

Israel verfügt mit dem in Deutschland aufgewachsenen Arye Shalicar über eine Geheimwaffe für derart einseitige und nicht nachprüfbare Narrative. Der Ex-Sprecher der israelischen Armee hat sich gegenüber Welt-TV auch zu den Toten am Sonntag in Rafah geäußert. Dies sei ein »guter Tag« gewesen, damit komme man dem Ziel näher, »die Palästinenser von ihrer eigenen Terror-Führung zu befreien«. Auch dies ein Wording, das in Deutschland bestimmte Erinnerungen wachrufen und den Krieg verdaulich machen soll.

Medien müssen ein solches Framing entlarven. Nicht alle von Israels Militär als »Terroristen« bezeichneten und getöteten Ziele waren Kämpfer, sondern auch Mitläufer oder Menschen, die für Hamas-Behörden gearbeitet haben. Die Inkaufnahme von bis zu 100 zivilen Opfern für einen hochrangigen Hamas-Angehörigen, wie eine Recherche kürzlich belegte, ist ein Massenmord. Der Krieg in Gaza ist keine »Befreiung«, sondern mutmaßlich ein Völkerrechtsverbrechen.

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