Berliner Wasserbetriebe: Mehr Regenwasser, weniger Einnahmen

Berliner Wasserbetriebe wollen ab 2027 erhöhte Gebühren für Trinkwasser verlangen

Wirtschaftssenatorin Frannziska Giffey (SPD) ist auch Aufsichtsratsvorsitzende der Wasserbetriebe und als solche stolz auf das »saubere und geschmacklich hervorragende Trinkwasser«.
Wirtschaftssenatorin Frannziska Giffey (SPD) ist auch Aufsichtsratsvorsitzende der Wasserbetriebe und als solche stolz auf das »saubere und geschmacklich hervorragende Trinkwasser«.

»Feinstes Berliner Wasser!« – grinsend hält Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) ein Glas der Berliner Wasserbetriebe hoch und stößt mit deren Vorstandsvorsitzenden Christian Donner an. Giffey ist auch Aufsichtsratsvorsitzende der Wasserbetriebe und nimmt in dieser Funktion an deren Jahrespressekonferenz teil. Die Wasserbetriebe als Teil der »Landesfamilie« seien ein vorbildliches Unternehmen, das »hervorragend performt«. Durch die schon einige Jahre zurückliegende Rekommunalisierung der Berliner Wasserversorgung seien die Gebühren für die Stadtbevölkerung stabil geblieben und würden das auch weiterhin bleiben – allerdings nur bis 2026. »Ab 2027 müssen wir die Gebühren moderat anpassen«, sagt Giffey.

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Die Wasserbetriebe bereiten sich auf die Zukunft vor. 2023 seien 37 Prozent des Gesamtumsatzes von knapp 1,3 Milliarden Euro investiert worden, eine »historisch hohe Quote«, sagt Giffey. Die Investitionen sollen in den kommenden Jahren noch gesteigert werden. Das landeseigene Unternehmen brauche das Geld zum Beispiel, um das fast 20 000 Kilometer umfassende Rohrnetz unter Berlin zu sanieren. In die Kanalisation und die Abwasserdruckleitungen investierten die Wasserbetriebe 2023 146 Millionen Euro, insgesamt beliefen sich die Investitionen auf 474 Millionen Euro, 2022 seien es nur 401 Millionen Euro gewesen.

Weiterer Großposten waren im vergangenen Jahr die Umbaumaßnahmen in den Klärwerken. 159 Millionen Euro flossen in Klärwerke und Abwasserpumpwerke. Um das Abwasser, das zurück in den Berliner Wasserkreislauf eingespeist wird, noch besser zu reinigen, sollen zukünftig Stickstoff und Phosphor aus dem Wasser gefiltert werden können. Außerdem bekommen alle Klärwerke nach und nach eine vierte Reinigungsstufe, um Spurenelemente wie etwa Medikamentenrückstände im Wasser zu beseitigen.

Für die Berliner Wasserversorgung entscheidend war im vergangenen Jahr der viele Regen, mehr als 700 Liter pro Quadratmeter sind auf die Stadt gefallen – »doppelt so viel Regen, wie im Jahr davor«, sagt Christoph Donner. Zwar führte das auch dazu, dass die Wasserbetriebe weniger Einnahmen hatten, weil weniger Trinkwasser etwa für Bewässerung verbraucht wurde. Im Großen und Ganzen ist die Hauptstadt aber gerade nach den vorangegangenen Dürrejahren stark auf das Regenwasser angewiesen. »Der Grundwasserspiegel lag im Mittel 30 Zentimeter höher als in 2022«, so Donner. Das sei zwar gut, aber um das Grundwasserniveau aus der Zeit vor der Dürre zu erreichen, bräuchte es noch drei Jahre mit ähnlich viel Regen wie in 2023.

Durch Klimawandel und Kohleausstieg werde aber absehbar auf lange Sicht weniger Wasser für Berlin zur Verfügung stehen. Daher ist für die Wasserbetriebe die Nutzung des Regenwassers von zentraler Bedeutung. »Die Zuflüsse von Spree und Havel werden sinken, deshalb müssen wir das vorhandene Wasser besser nutzen«, so der Vorstandvorsitzende Donner. Dazu gehört ein stadtweiter Ausbau der »blau-grünen Infrastruktur«, wodurch Regenwasser in der Stadt gehalten werden soll. Zum Beispiel brauche es statt betonierten Flächen, durch die kein Wasser in den Boden versickern kann, mehr Grünflächen, die Regenwasser aufnehmen können.

Wenn der Umbau Berlins zur »Schwammstadt« zügig vorangehe, dann könne die Wasserversorgung in der Hauptstadt gesichert werden, ohne dass zum Beispiel durch Fernwasserüberleitungen aus anderen Ländern ausgeholfen werden müsse, sagt Donner. »Dafür müssen wir aber unsere Hausaufgaben machen.« Um die Regenwassernutzung auch auf den bereits bebauten Flächen, also im Bestand, voranzubringen, könnte es nötig sein, nicht nur auf »Anreize«, sondern auch auf Verpflichtungen zu setzen, sagt der Vorstandsvorsitzende. Bei Baumaßnahmen müssten etwa auch Entsiegelungsmaßnahmen umgesetzt werden, auch wenn sie mehr kosten.

Trotz der geringeren Trinkwasserabnahme im vergangenen Jahr konnten die Wasserbetriebe einen Bilanzgewinn von 114 Millionen Euro erwirtschaften, der größtenteils an das Land geht. Auf der Jahrespressekonferenz stellen die Wasserbetriebe auch die Bilanz ihres Tochterunternehmens Berliner Stadtwerke vor, die etwas schlechter aussieht: Eine Million Euro Verlust verzeichnen die Stadtwerke. Das liege aber auch an den Nachwirkungen der Energiekrise, sagt Donner. Insgesamt ist der Betrieb vor allem gewachsen, der Jahresumsatz stieg von 250 Millionen Euro 2022 auf 420 Millionen Euro 2023. »Wir haben das Tochterunternehmen gezielt weiterentwickelt«, sagt Donner.

Die Stadtwerke sind inzwischen der größte Solar-Akteur in Berlin, heißt es in der Mitteilung zur Jahresbilanz. 410 Solaranlagen mit zusammen rund 33 Megawatt Leistung habe das Unternehmen bereits in Berlin installiert, außerdem 16 Windenergieanlagen in Brandenburg mit einer Leistung von knapp 69 Megawatt. Auf den Dächern der Messehallen wird im Auftrag der Messe Berlin aktuell die drittgrößte Photovoltaik-Anlage Deutschlands mit acht Megawatt Leistung gebaut.

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