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Ein Jahr nach Vorwürfen: HU-Dozent suspendiert

Fast ein Jahr nach Übergriffsvorwürfen ist ein HU-Professor nun vom Dienst freigestellt worden.

Lange hat es gedauert, bis die Humboldt-Universität in Berlin auf die Übergriffsvowürfe gegen einen Professor reagierte.
Lange hat es gedauert, bis die Humboldt-Universität in Berlin auf die Übergriffsvowürfe gegen einen Professor reagierte.

Ein Professor an der Humboldt-Universität (HU) wird nach Vorwürfen sexueller Übergriffe suspendiert. Das berichtet der »Tagesspiegel« unter Berufung auf HU-Kreise. Die HU-Pressestelle bestätigte den Vorgang demnach. Weitere Angaben habe die Pressestelle mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht gemacht. Die Pressestelle der Freien Universität, wo ebenfalls eine Überprüfung des über einen Studiengang mit der Universität verbundenen Professors stattfand, teilt gegenüber »nd« mit, der Wissenschaftler sei »nicht mehr eingebunden in die Betreuung der Arbeiten von Studierenden sowie Doktorandinnnen und Doktoranden« und auch nicht in die Lehre.

Im August vergangenen Jahres hatten »nd« und andere Medien berichtet, dass eine ehemalige Mitarbeiterin einem Geschichtsprofessor vorwerfe, sie bei einer Betriebsfeier im Sommer 2019 gegen ihren Willen geküsst und an den Brüsten berührt zu haben. Dabei habe er sie mit Gewalt festgehalten. Dies hielt die Wissenschaftlerin in einem Buchbeitrag fest. Den Namen des Dozenten nannte sie nicht, er wurde später allerdings von Studierenden öffentlich gemacht.

Die ehemalige Mitarbeiterin verwies in dem Buchbeitrag darauf, dass der Vorfall zeige, wie Frauen an Universitäten unter Machtmissbrauch und Abhängigkeitsverhältnissen leiden. Als Ausländerin habe sie bei einer Kündigung mit Abschiebung rechnen müssen.

Ob sich noch weitere Frauen mit Beschwerden über den Professor an die Universitätsleitung wandten, ist nicht bekannt. Gegenüber »nd« hatten Mitarbeiter der Universität gesagt, dass es bereits seit längerer Zeit Gerüchte über das Verhalten des Professors gegeben habe. Bekannt ist, dass 2018 eine Gruppe von Studentinnen dagegen protestierte, mit dem Professor in einem Hotel untergebracht zu werden.

Gegenüber dem »Tagesspiegel« streitet der Anwalt des Professors die Vorwürfe weiterhin ab. Die Freistellung sei »offenkundig rechtswidrig«. Daher gehe er gegen die Suspendierung gerichtlich vor.

Im August 2023 war bereits ein anderer HU-Dozent nach Belästigungsvorwürfen gekündigt worden. Der Dozent, ebenfalls ein Historiker, soll sich in Lehrveranstaltungen demütigend gegenüber Studentinnen geäußert und eine Frau gegen deren Willen berührt haben. Nachdem der Dozent gegen die Entlassung geklagt hatte, kam es zu einem Vergleich: Er durfte nicht an die Uni zurückkehren, erhielt aber noch mehrere Monate weiter Bezüge.

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