Podolski aus der Tiefe

EM-Qualifikation: Deutschland-Zypern 4:0

  • Von Matthias Koch, Hannover
  • Lesedauer: 3 Min.

Lukas Podolski hatte es auch nach dem Abpfiff der Begegnung gegen Zypern sehr eilig. »Es bleiben nur noch sechs Minuten«, korrigierte er im voll besetzten Presseraum der WM-Arena von Hannover Harald Stenger. Der DFB-Sprecher hatte den Journalisten zunächst sieben Minuten zum Fragen nach dem 4:0-Erfolg in der EM-Qualifikation gegen die Zyprer gegeben, weil am Flughafen bereits der Flieger nach Frankfurt (Main) wartete, wo am Mittwoch das letzte deutsche Gruppenspiel gegen Wales ausgetragen wird.

Podolski ist allerdings für ein schnelles Frage-Antwort-Spiel bekannt. Längere und tiefgründige Erklärungen sind nicht seine Stärke. Als Fußballer muss er dies auch nicht unbedingt können. Da ist der Stürmer in erster Linie als Torschütze gefragt. Vor 45 016 Zuschauern in Hannover konnte der 22-Jährige in seinem 43. Länderspiel immerhin das 3:0 beisteuern – und das auf der für ihn eher ungewohnten Position im linken Mittelfeld. »Ich habe es am Freitag vor dem Abendessen erfahren. Der Bundestrainer hat mich gefragt, ob ich mir das auf der linken Außenbahn zutraue. Kein Problem, habe ich gesagt. Ich spiele sowieso gern im Mittelfeld«, sprudelte es aus Podolski heraus, der als Vorlagengeber zudem auch an den Toren von Clemens Fritz (2.), Miroslav Klose (20.) und Thomas Hitzlsperger (82.) beteiligt war.

Natürlich hieß der Gegner nur Zypern, der für den WM-Dritten trotz des 1:1-Unentschiedens im Hinspiel kein Maßstab sein darf. Natürlich war Podolskis »Degradierung« vom Angreifer zum Läufer eher den verletzungsbedingten Ausfällen einer kompletten Mittelfeldreihe geschuldet. Und dennoch glauben einige Beobachter, dass der Jungstar auch in der zweiten Reihe seinen Frieden finden könnte. Bei Bayern München ist »Prinz Poldi« in der aktuellen Bundesligasaison noch torlos. Mit dem italienischen Weltmeister Luca Toni und Nationalstürmer Miroslav Klose hat er scheinbar unüberwindbare Konkurrenz vor sich.

»Wenn Lukas im hohen Tempo in Bewegung ist, kommt seine fußballerische Klasse zum Tragen. Jeder hat gesehen, wie aktiv er gespielt hat«, lobte Bundestrainer Joachim Löw Matchwinner Podolski. Obwohl der Mann mit der Nummer 20 in der Jugend und bei den Profis des 1. FC Köln seine Stärken zeitweise im Mittelfeld eingebracht hat, glaubt Podolski langfristig wohl eher nicht an diese Position. »Das war jetzt mal ein Test für den Bundestrainer. Nun muss man abwarten, ob wir gegen Wales genauso spielen.«

Warum es in der Nationalmannschaft seit Jahren gut für Podolski läuft, weiß der gebürtige Pole ganz genau. »Ich fühle mich hier immer wohl. Ich habe das Vertrauen vom gesamten Stab. Dann kann man seine gute Leistung bringen.«

Doch was bedeutet das im Umkehrschluss für sein Befinden bei Bayern München? »Ich spiele in München nicht so, wie ich mir das vorstelle«, sagt Podolski diplomatisch. »In den letzten Partien bei Bayern habe ich einen kleinen Schritt nach vorn gemacht. Wenn ich an mir arbeite, werde ich auch regelmäßiger spielen.«

Deutschland: Lehmann – Arne Friedrich, Mertesacker, Metzelder Lahm – Fritz (77. Hilbert), Hitzlsperger, Trochowski (66. Borowski) – Podolski, Klose, Gomez (73. Hanke).

Zypern: Georgallidis – Theodotou (20. Marios Nikolaou), Christou, Lambrou, Garpozis – Makridis, Satsias, Charalambidis (46. Theofilou) – Aloneftis, Okkas, Konstantinou (68. Yiasoumi).

Tore: 1:0 Fritz (2.), 2:0 Klose (20.), 3:0 Podolski (53.), 4:0 Hitzlsperger (82.).

Schiedsrichter: Rasmussen (Dänemark). Zuschauer: 45 016 (ausverk.).

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