Totholz kontra Holzfeuerung

Erster Statusbericht »Vögel in Deutschland« kommt zu zwiespältigem Ergebnis

  • Von Benjamin Haerdle
  • Lesedauer: 3 Min.

Kiebitz, Mehlschwalbe und Haussperling werden in Deutschland seltener. Das geht aus dem erstmalig erschienen Statusbericht »Vögel in Deutschland 2007« hervor, den das Bundesamt für Naturschutz (BfN), der Dachverband Deutscher Avifaunisten und die Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten in der vergangenen Woche präsentierten.

»Es ist besorgniserregend, wenn hierzulande die Bestände von insgesamt 23 häufigen Brutvogelarten rückläufig sind«, erklärte BfN-Präsidentin Beate Jessel bei der Vorstellung des Statusberichts »Vögel in Deutschland«. Insgesamt 64 Vogelarten hatten Ornithologen im Rahmen eines Monitorings in den vergangenen 15 Jahren untersucht. Bei 23 Arten stellten die Experten abnehmende Bestände fest.

Rar machen sich vor allem die charakteristischen Vögel der Flur: Feldlerche, Wiesenpieper und Kiebitz leiden unter dem intensiven Einsatz von Pestiziden, Dünger und Maschinen in der Landwirtschaft. Zudem fehlten, zum Beispiel für den Großen Brachvogel und den Kampfläufer, naturnahe Feuchtwiesen. Zu schaffen macht den Vögeln aber auch die rasante Zunahme des Anbaus nachwachsender Rohstoffe. Wenn Brachflächen in monotone Mais- oder Rapsflächen umgewandelt werden, finden die Vögel keine geeigneten Brutplätze vor.

Als einen der Hauptschuldigen für den Rückgang der Bestände machen die deutschen Vogelexperten die EU-Agrarpolitik aus: Die müsse stärker auf nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft ausrichten und den Naturschutz berücksichtigen, kritisierte die BfN-Präsidentin. Sie forderte, dass Fördermaßnahmen stärker auf Arten- und Lebensraumschutz ausgerichtet sein müssten.

Es gibt jedoch aus der Landwirtschaft auch eine gute Nachricht: In Regionen, wo Landwirte auf Bioanbau setzen, und in großflächigen Schutzgebieten wie Biosphärenreservaten oder Nationalparken mit ökologisch angepasster Nutzung entwickelten sich die Vogelbestände gegen den sonst bundesweit üblichen Trend.

Anders als bei den Feldvogelarten hat sich der Bestand bei den Waldvogelarten leicht erholt. Zu verdanken ist dies laut Jessel dem Trend zur naturnahen Waldbewirtschaftung. Von der standortgerechten Zusammensetzung der Baumarten, dem Einsatz von umweltschonenden Waldpflegeverfahren oder dem längeren Liegenlassen von Totholz profitierten zum Beispiel Kleiber, Hohltaube oder Buntspecht. Allerdings könnte sich dieser zarte Erholungstrend schon wieder ins Gegenteil verkehrt haben. Der Grund: Die vermehrte Nachfrage nach Holz zur Energiegewinnung führe zur deutlichen Intensivierung der Waldnutzung, klagte Jessel.

Allerdings macht der Bericht, der auf der Mitarbeit von mehr als 5000 ehrenamtlichen Freizeitornithologen basiert, auch Mut: Die Artenschutzprogramme der Vergangenheit seien erfolgreich gewesen. Dank künstlicher Nisthilfen, Auswilderungen oder der Bewachung von Horstschutzbäumen konnten spektakuläre Vögel wie Großtrappe oder Seeadler ihre Bestände zum Teil deutlich ausbauen. Häufiger zu sehen sein werden hierzulande wohl auch in Zukunft Vogelarten, die Deutschland wegen des kühlen Klimas bisher eher gemieden haben. Das vermehrte Vorkommen von Silberreiher, Nil- und Kanadagans seien Anzeichen, dass vor allem die milderen Winter die Lebensbedingungen für einige Arten deutlich verbessern.

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