Schändung und Schande

  • Von Wolfgang Hübner
  • Lesedauer: 2 Min.

Wie nennt man es, wenn jemand von einem Gedenkstein für Opfer politischer Gewalt Blumen hinwegfegt und die nähere Umgebung verwüstet? Wenn der Stein bespuckt wird? Ist das Wort Schändung zu hoch gegriffen?

Geschehen ist es am Sonntag am Ende der Luxemburg-Liebknecht-Ehrung; ähnliche Szenen hatten sich schon letztes Jahr abgespielt. Dass der Stein mit der Aufschrift »Den Opfern des Stalinismus« die Gemüter nicht kalt lässt, liegt in der Natur der Sache. Wer allerdings die Debatte mit der Behauptung verweigert, man müsse erst einmal klären, was Stalinismus überhaupt sein soll, der stellt sich selbst ein schlechtes Zeugnis aus.

Was Stalinismus ist, konnte man seit Chruschtschow ahnen. Nach der Wende und der Öffnung diverser Archive wurden die Ahnungen zu schrecklicher Gewissheit. Wer will, kann ja auch die Bücher von Solschenizyn lesen, um zu erfahren, was alles im Namen des Sozialismus geschehen ist. Luxemburgismus wurde unter Stalin ein Schimpfwort ersten Ranges und man möchte sich angesichts des Umgangs Stalins mit unzähligen seiner Genossen lieber nicht vorstellen, was er mit Rosa Luxemburg angestellt hätte.

Über den Stalinismus, seine Wirkungen, seine Instrumentalisierung kann man streiten; gern auch heftig. Aber nicht auf Kosten derer, die den Großen Terror mit dem Leben bezahlten. Denn das ist eine Schande.

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