Leistungslohn für Lehrer?

Karikatur: Christiane Pfohlman
Karikatur: Christiane Pfohlman

Wenige Tage vor der Vorlage der neuen PISA-Studie der Länder geht die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) in die Offensive. In einer Pressemeldung fordert die neoliberale Denkfabrik den Leistungslohn für Lehrer. Der Zeitpunkt sei jetzt besonders günstig, weil in den nächsten Jahren ca. 650 000 Lehrer in Pension gehen. Zusammen mit dem ehemalige Schulleiter Bernhard Bueb, der in den letzten Jahren als Streiter für konservative Erziehungswerte hervorgetreten ist, hat die INSM in Berlin ihr Besoldungsmodell vorgelegt, das 12 unterschiedliche Zulagen und Prämien vorsieht.

Leistungsanreize für Lehrer motivieren auch die Schüler, so die Argumentation der Befürworter. Doch die Umsetzung dieser Vorschläge würde nur eine Entwicklung fortsetzen, die Studierende und Gewerkschaften schon lange kritisieren. Schritt für Schritt wird das öffentliche Bildungswesen in betriebswirtschaftliche Strukturen eingefädelt. Bildung ist kein öffentliches Gut mehr, sondern eine Ware. Der Lehrer ist nur noch ein Verkäufer dieser Ware und je erfolgreicher er sie an die zu Kunden degenerierten Schüler bringt, desto mehr verdient er.

Auch Initiativen wie »Teach First Deutschland« reihen sich in dieses Konzept ein. Dort sollen junge Wissenschaftler ehrenamtlich benachteiligten Schülern Wissen vermitteln. Als Belohnung winken später »Führungspositionen« im demnächst erschlossenen »Bildungsmarkt«, dessen weltweites Volumen seitens der Unternehmensberatung Merrill Lynch auf über 2200 Milliarden Euro geschätzt wird, kritisiert der linke Bildungspolitiker Jens Wernicke. Während Befürworter der Initiative das Projekt als »idealer Karriereturbo« bezeichnen, sprechen Kritiker vom »Niedriglohneinsatz an Problemschulen«.

Wer angesichts der Bankenkrise vom Ende des Neoliberalismus geredet, sollte sich also fragen, ob der Jubel nicht verfrüht war. Die jüngsten Initiativen im Bildungsbereich zeigen zumindest, die neoliberale Ideologie ist dort noch höchst lebendig.

Der Autor ist freier Journalist und lebt in Berlin.

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