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Kommunikator

Igor Vamos landete mit der gefälschten »New York Times« einen Coup

  • Von Max Böhnel, New York
  • Lesedauer: 2 Min.
Personalie: Kommunikator

Als am Mittwochmorgen Hunderte von Freiwilligen den erstaunten Pendlern an belebten Orten der USA 1,2 Millionen Gratisausgaben der »New York Times« mit dem Aufmacher »Iraq War Ends« in die Hand drückten, lachte sich Igor Vamos ins Fäustchen. Denn er war einer derjenigen, die den medialen »spoof« (Verulkung), der diese Woche weltweit Schlagzeilen machte, »in der Kneipe mit Kumpels nach vielen Bieren« ausgeheckt hatten.

Der Assistenzprofessor für Medienkunst Igor Vamos und sein »Yes-Men«-Mitstreiter, Science-Fiction-Autor Jacques Servin, entlarven seit Jahren unangemeldet und mit meisterhafter Satire »die Fratze der Herrschaft«, und sie sind gut vernetzt.

Igor Vamos lehrt Video- und Medienkunst am Polytechnischen Institut »Rensselaer« in Troy, 250 Kilometer nördlich von New York. Er selbst habe in der »spoof«-Ausgabe nur einen Beitrag geschrieben, den über das »globale Verbot aller Waffensysteme«. Aber die Übergangsphase von der Bush- zur Obama-Regierung sei »ein guter Zeitpunkt zu diskutieren, was wirklich möglich ist«. In Vamos' »Times« wird nicht nur das Ende des Irak-Kriegs erklärt. Condoleezza Rice gibt zu, dass Washington von der Nichtexistenz irakischer Massenvernichtungswaffen wusste, der Kongress beschließt eine staatliche Krankenversicherung, ExxonMobil geht in öffentliches Eigentum über, die »New York Times« entschuldigt sich für ihre Kriegstrommelei und Chefkolumnist Thomas Friedman tritt zurück.

Wie immer ist Igor Vamos für Interviews nicht zu haben. Er zieht es seit Jahren vor, als Teil linker, der Aufklärung verpflichteter kurzfristiger Kollektivprojekte mitzuarbeiten. Welche Rolle er dabei konkret spielt, ist nur dem jeweils inneren Zirkel bekannt. 1993 tauschte er die Stimmen von Barbie-Puppen und militaristischen »GI-Joe«-Figuren aus und ließ sie in Spielzeugläden verkaufen. Er machte entlarvende Vi-deodokumentationen auf Militärgeländen und Industrieanlagen, an Ölbohrstellen und an der Grenze USA-Mexiko.

Die falsche »New York Times« ist inzwischen vergriffen. Am Tag nach der Guerillaaktion wurden auf eBay die ersten gedruckten Exemplare versteigert – ab 100 Dollar aufwärts.

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