Milliardär aus Oberschwaben

Der Drogerieunternehmer Anton Schlecker wird heute 65

  • Lesedauer: 3 Min.

Von Berit Schmidt (dpa), Ehingen

Anton Schlecker wird heute 65 Jahre alt. Der Drogerieunternehmer steht wegen miserabler Arbeitsbedingungen bei Gewerkschaften in der Kritik.

Anton Schlecker ist ein typisch schwäbischer Unternehmer: Er besitzt Milliarden und lebt zurückgezogen fernab des Rampenlichts. Mit seinen Drogeriemärkten ist er omnipräsent, doch der Mensch Schlecker ist verschlossen. Der Unternehmer gibt so gut wie nie Interviews und lässt sich auch nicht gerne fotografieren.

Dabei schaffte Schlecker den Aufstieg vom jüngsten Metzgermeister Deutschlands zum Eigentümer einer Drogeriekette mit Milliardenumsatz. Mit 21 Jahren trat Schlecker 1965 in das von seinem Vater gegründete Unternehmen ein. Noch im gleichen Jahr errichtete er am Konzernsitz in Ehingen (Alb-Donau-Kreis) das erste Selbst- bedienungswarenhaus. Als 1974 die Preisbindung wegfiel, erkannte Schlecker die Chance von Discountmärkten. Und so eröffnete er ein Jahr später in Kirchheim bei Stuttgart seine erste Drogeriefiliale.

Heute leitet er gemeinsam mit seiner Frau Christa einen Konzern mit rund 50 000 Mitarbeitern. Statistisch gesehen gibt es alle drei Kilometer einen Schlecker-Markt in Deutschland. Europaweit zählt der Konzern rund 14 000 Filialen. Mit seinen Märkten erzielten Schlecker im vergangenen Jahr einen Umsatz von 7,42 Milliarden Euro.

Das Unternehmen ist zwar noch immer Marktführer in Europa, gefolgt von dm und Rossmann. Doch nach einer Studie des Instituts für Bildungs- und Sozialpolitik der Fachhochschule Koblenz befindet sich Schlecker seit Jahren im Sinkflug. Nach Gewerkschaftsangaben machte Schlecker im vergangenen Geschäftsjahr in Deutschland rund 52 Millionen Euro Verlust.

Der Grund: Der deutsche Drogeriemarkt ist unter den Discountern hart umkämpft. Anton Schlecker versucht, sich dem Expansionsdruck durch die aufholenden Konkurrenten mit neuen, größeren Filialen entgegenzustellen – und erntet dafür Kritik von ver.di. In den Augen der Gewerkschafter will Schlecker, dem immer wieder Knauserigkeit und Kontrolldrang vorgeworfen werden, mit seinen neuen Großfilialen vor allem eines: die Löhne drücken. Die Schlecker- Beschäftigen sollen nach ver.di- Angaben gezwungen werden, neue Arbeitsverträge mit deutlich weniger Lohn und schlechteren Arbeitsbedingungen zu unterschreiben. Schlecker streitet dies ab. Nach Unternehmensangaben werden »Arbeitsverträge, die den lokalen Gegebenheiten entsprechen«, angeboten.

Schon einmal fiel Schlecker, der schnelle Autos und Fußball liebt, wegen seiner Löhne negativ auf. Das Amtsgericht Stuttgart erließ 1998 gegen das Ehepaar Strafbefehle von jeweils zehn Monaten auf Bewährung wegen vielfachen Betrugs. Der Drogeriehändler soll Beschäftigten jahrelang eine tarifliche Bezahlung vorgetäuscht haben.

Kurz vor Weihnachten 1987 wurden seine Kinder Meike und Lars entführt. Drei später zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilte Täter forderten 18 Millionen Mark Lösegeld, der Unternehmer soll sie auf 9,6 Millionen Mark heruntergehandelt haben. Die Entführung ist wohl auch ein Grund, warum der Milliardär zurückgezogen lebt.

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