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Studenten lesen Rektoren die Leviten

Hochschulrektorenkonferenz in Leipzig von Protesten Tausender begleitet

Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) am Dienstag in Leipzig wurde von den Protesten mehrerer Tausender Studenten begleitet, die erneut bessere Studienbedingungen forderten. Die HRK verteidigte bei ihrem Treffen indes die umstrittene Bologna-Reform, in deren Zuge vor einigen Jahren die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge eingeführt wurden.

Berlin/Leipzig (Agenturen/ND). Draußen skandierten die Demonstrierenden: »Bildung für alle – und zwar umsonst«. Transparente werden hochgehalten, auf denen Sprüche stehen wie »Reiche Eltern für alle« oder »Hap kein gält, prauche bildunk«. Zu der HRK-Mitgliederversammlung am Dienstag waren Studenten aus der gesamten Bundesrepublik angereist. Das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren sprach von 10 000 Protestierenden, andere Zählungen gehen von 3000 Teilnehmenden bei den Protesten aus.

»Die Rektoren könnten an ihren eigenen Hochschulen so vieles verändern«, sagte die Geschäftsführerin des Aktionsbündnisses gegen Studiengebühren, Christina Schrandt, gestern auf ND-Nachfrage. Dazu müssten sie mit den Mitgliedern ihrer Hochschulen und der Politik vor Ort in Kontakt treten. So falle es etwa in den Entscheidungsbereich der Hochschulen selber, ob und in welcher Höhe sie Studiengebühren erheben. Auch der »work load« – das Arbeitspensum, das die Studierenden zur Erbringung von Leistungen zu verrichten hätten – werde an den Hochschulen festgelegt, erläuterte Schrandt. Die Leipziger Versammlung bezeichnete sie deshalb als »Farce«.

Die HRK indes verteidigte die Bologna-Reform und die Neuordnung der Studiengänge. Zugleich forderte HRK-Präsidentin Margret Wintermantel zum Abschluss der Mitgliederversammlung von den Ländern mehr Geld unter anderem für Lehrpersonal.

Wintermantel räumte ein, dass es bei der Umsetzung des Bologna-Prozesses in einigen Studiengängen durchaus Probleme gebe, etwa durch Prüfungsbelastungen. »Bei solch einer Riesenreform läuft nicht alles problemlos«, sagte sie vor Journalisten. Wenn es Mängel gebe, würden Verbesserungen vorgenommen, sagte Wintermantel. Im »Deutschlandradio Kultur« hatte sie zuvor schon gesagt, dass sich bei den Studenten vernünftige Forderungen mit anderen, die »mehr mit der allgemeinen Unzufriedenheit« zu tun hätten, mischten. Dazu zähle der Vorwurf der Ökonomisierung der Wissenschaft und der Hochschulen.

Der Rektor der Leipziger Universität, Franz Häuser, beklagte eine zu einseitige Diskussion über die Umsetzung der Bologna-Reform in der Öffentlichkeit. In einer gemeinsamen Stellungnahme verwies die HRK darauf, dass die 1999 in Bologna verabredete Vereinheitlichung der Studiengänge mit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge in Deutschland insgesamt »sichtbare Erfolge« wie die Kürzung der Studiendauer zeigte. Den Ländern warf sie vor, die Hochschulfinanzierung zu vernachlässigen. Durch »Restriktionen« und »falsche Anreize« hätten diese zu den stofflich überfüllten Lehrplänen beigetragen, heißt es in einer einstimmig angenommenen Resolution. Auch hätten es die Länder versäumt, für Hochschulen wie Studierende »an wesentlichen Punkten Rechtssicherheit und Verlässlichkeit zu schaffen«.

Christina Schrandt bewertet die Erfolge von Bologna anders. Statt der angestrebten größeren Mobilität von HochschulabsolventInnen im EU-Raum sei man etwa nun »eher eingeschränkter«. Insbesondere seien die Masterstudiengänge und der Zugang zu ihnen limitiert, in einigen Bundesländern würden dafür zudem zusätzliche Gebühren verlangt.

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