Eine Hoffnung in die Zukunft

KZ-Gedenkstätte Buchenwald: Ehemalige Häftlinge trafen sich mit Kindern und Enkeln

  • Gabriele Oertel, Weimar
  • Lesedauer: 3 Min.
Während der Gedenkfeiern zum 65. Jahrestag der Befreiung des faschistischen Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar trafen sich am Sonntag ehemalige Häftlinge mit hinterbliebenen Angehörigen, Kindern und Enkeln, um den Schwur der 21 000 Überlebenden zu erneuern.

Lange bevor die politische Prominenz von Bundestag und thüringischer Landesregierung am Mittag auf dem Weimarer Ettersberg eintraf, hatten Überlebende des KZ Buchenwald ein bewegendes Erlebnis. Eingeladen von der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora, trafen sie sich am Morgen mit hinterbliebenen Angehörigen, Kindern und Enkeln im Kinosaal der Gedenkstätte. Einstige Häftlinge schilderten ihre Leidenszeit, Angehörige ihre Suche nach den Spuren ihrer Vorfahren – und Tränen flossen bei den einen wie den anderen. Beispielsweise als der polnische KZ-Überlebende Mordichei Weinryb von Hunger, Demütigungen und der Gewalt der Nazis berichtete und erklärte, die deutschen Buchenwalder hätten die Ehre ihres Volkes verteidigt. Oder als Wolfgang Wegmann aus Wuppertal vom Schicksal des Großvaters erzählte, eines Widerstandskämpfers, der nach der Hölle von Buchenwald sich »einfach im Leben nicht mehr zurechtfinden konnte und nur noch Angst hatte«.

Gemeinsam machten sich Überlebende und ihre Kinder und Enkel Gedanken, die über den 65. Jahrestag der Befreiung hinausreichen. Günter Pappenheim, der Vorsitzende der Lagerarbeitsgemeinschaft und selbst einst Häftling, brachte es auf den Punkt. Unter Verweis auf die immer weniger werdenden Zeitzeugen äußerte er den Wunsch und die Bitte an die nachfolgende Generation, »dafür Sorge zu tragen, dass das Andenken an die Opfer des faschistischen Terrors in den Herzen der Menschen weiterlebt und die Geschichte von Buchenwald so, wie sie gewesen ist, bewahrt bleibt«. Auch Heinrich Fink, Ex-Bundestagsabgeordneter der LINKEN und VVN/BdA-Chef, betonte, dass es nunmehr um die Weitergabe der Stafette an die nächste Generation gehe. »Unser Kampf gegen den Neofaschismus ist nur von den Enkeln fortzuführen«, erklärte Fink und lobte ausdrücklich die »Enkel« in Dresden, die mit ihrer Blockade den geplanten Naziaufmarsch am 13. Februar verhindert hätten.

Gemeinsam verabschiedeten ehemalige Häftlinge und ihre Nachfahren eine Erklärung. »Das Vermächtnis der ehemaligen Buchenwalder Häftlinge zu bewahren, ist uns Bedürfnis und Aufgabe, weil wir Frieden, Demokratie und Freiheit als für die Menschheit lebensnotwendig halten.« Eintreten wollen die Verfasser dafür, dass die kritische Aneignung von Geschichte nicht durch Denunziation des organisierten antifaschistischen Widerstands und die politische Diffamierung antifaschistischer Bildungs- und Erziehungsarbeit bis 1990 behindert wird und vor allem, dass die NPD mit ihren Gliederungen als neofaschistische und Partei mit eindeutig verfassungsfeindlicher Programmatik verboten wird.

Den Appell an die nachfolgende Generation, gegen Ausgrenzung und jeden Angriff auf die Demokratie aufzustehen, erhob bei der offiziellen Gedenkfeier auch Bertrand Herz, Präsident des Internationalen Buchenwald-Komitees. Schließlich sind auch die 900 Buchenwald-Kinder, die die Befreiung des Lagers durch die Häftlinge miterlebten – was der spanische Schriftsteller Jorge Semprun auf der Jubiläumsfeier auf dem Ettersberg in Erinnerung rief – inzwischen in die Jahre gekommen. Die gute Botschaft des 11. April 2010 lautet deshalb: Treffen dieser Art sollen Tradition werden.

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