Storch Heinar ärgert Thor Steinar

Ein in der rechten Szene beliebtes Modelabel verklagt seine erfolgreiche Persiflage

  • Velten Schäfer, Schwerin
  • Lesedauer: 2 Min.
Ein gerupfter, sächselnder Storch veralbert im Internet und auf Leibchen die einschlägige Modemarke »Thor Steinar«. Deren Inhaber verklagen nun die Satire-Macher wegen Markenrechtsverletzungen. Im Juni soll die Angelegenheit vor Gericht verhandelt werden.

Eine der liebenswerten Eigenheiten des Schweriner Landtags sind seine ständigen Klamottenprobleme. Mal erscheint ein Extremparlamentarier in würdeloser Kluft, mal muss die Logo-Kommission eruieren, welche Stickabzeichen gegen den Geist der Landesverfassung verstoßen. Dazu kommen die Skandälchen um die kontroversen Bekleidungsgeschäfte, die zu tätigen im Schloss offenbar zum guten Ton gehört: Nachdem NPD-Recke Birger Lüssow seinen Rostocker Szeneshop »Dickkoepp« gegen die Wand gefahren zu haben scheint, bekommt nun SPD-Gegenspieler Mathias Brodkorb Ärger.

Seitenscheitel, Stahlhelm

Die vom stellvertretenden Fraktionschef mitverantwortete Satire-Marke »Storch Heinar«, ein Nebenprojekt des Projekts »Endstation Rechts«, verletze ihre eigene Marke »Thor Steinar«, klagte die Firma Mediatex. Die Erfinderin der »in der rechten Szene beliebten« Kleidermarke hatte damit sogar Erfolg: Das Landgericht Nürnberg-Fürth ließ die Klage zu, am 23. Juni wird verhandelt.

Dass Heinar, der sozial wie körperlich unterprivilegierte Fantasie-Storch, den man zum Beispiel bei Youtube im Internet belauschen kann, auf den fantasie-nordischen Thor Steinar anspielen soll, ist offensichtlich. Und gut gemacht: In seinen sächselnden Tiraden bewegt sich Heinar immer zwischen Bedrohlichkeit, Lächerlichkeit und Erregung von Mitleid. Schon dass wir überhaupt von ihm erfahren, liegt an seiner defizitären Persönlichkeit: Um mit nach Afrika zu fliegen war er zu schwach – und den »Vogelzug« für Flügelkranke hat er durch Trödeln verpasst.

So muss Heinar im Lande bleiben und seinen einsamen Storchenkampf kämpfen. Dabei hat sich der Langschnabel mit Seitenscheitel, Zweifingerbart und Stahlhelm, der inzwischen T-Shirts, Taschen, Schals und sogar Hundebekleidung schmückt, eine wachsende Fangemeinde erschnarrt.

Die »güldene Edition«

Nachdem Mediatex zunächst damit gescheitert war, sich die Markenrechte an dem Vogel zu sichern, folgte die Klage. Er werde sich davon allerdings nicht beeindrucken lassen, erklärt der Storch im Internet. Und sein PR-Team beginnt, den Fall zu vermarkten. Angelehnt an die »Weltpokalsie- gerbesieger«-Leibchen, mit denen in Hamburg einst der FC St. Pauli dem Ruin entkam, gibt es jetzt ein »Weltkriegsverliererbesieger«- Hemd vom Storch.

Eine »güldene Edition«, die in der limitierten Auflage von achtzehn (!) Stück produziert wurde, soll dem Vernehmen nach inzwischen bereits vergriffen sein – zu über 50 Euro pro Stück.

#ndbleibt – Aktiv werden und Aktionspaket bestellen
Egal ob Kneipen, Cafés, Festivals oder andere Versammlungsorte – wir wollen sichtbarer werden und alle erreichen, denen unabhängiger Journalismus mit Haltung wichtig ist. Wir haben ein Aktionspaket mit Stickern, Flyern, Plakaten und Buttons zusammengestellt, mit dem du losziehen kannst um selbst für deine Zeitung aktiv zu werden und sie zu unterstützen.
Zum Aktionspaket

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal