Die Söhne des Präsidenten

Ach wie schön ist es, wenn man was zu sagen hat. Als Präsident zum Beispiel, in Bolivien zum Beispiel: Dort hat Evo Morales jetzt endgültig die Nase voll vom Misserfolg der Fußballnationalmannschaft. Weil die Bolivianer trotz ihres 3600 Meter hoch gelegenen Nationalstadions in La Paz seit 1994 keine WM-Endrunde mehr erreichen konnten, will Morales jetzt handeln. Am heimischen Verband vorbei will er im Land Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren sichten lassen und 45 auswählen. Die sollen in einem Internat ausgebildet werden, bevor in einer zweiten Phase 20 Kicker herausgesucht werden, die dann zusammen mit acht Fußballern aus der bolivianischen Liga die Nationalmannschaft bilden sollen. »Die Söhne des Präsidenten« nennt sich der Plan, mit dem die Nationalelf verstaatlicht werden soll.

Die FIFA, die vor ein paar Jahren schon einmal versuchen wollte, Spiele in Stadien über 3000 Meter zu verbieten und am Widerstand des in Südamerika so populären Evo Morales scheiterte, wird sich ganz sicher gegen so eine Nationalelf wehren. Schließlich untersagen die FIFA-Statuten jede politische Einmischung.

Im Fall Morales ist dem selten sympathischen Weltverband auf jeden Fall Glück und Durchsetzungsvermögen zu wünschen. Denn man ahnt, wie es sonst kommen könnte: Dass der geistige Vater der »Söhne des Präsidenten« auch noch bestimmt, wer mitspielen darf.

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