Werbung

Zwischenstation Pokalsieg

FC Bayern München gewinnt überlegen Cup-Finale 4:0 gegen Titelverteidiger Werder Bremen

  • Oliver Händler
  • Lesedauer: 3 Min.

Im Normalfall dauern die ersten Pokalfeierlichkeiten über 90 Minuten. Erst dann kommen die ersten von Bier- und Sektduschen wieder gereinigten Sieger aus der Kabine, um den wartenden Journalisten die Fragen zu beantworten, wie es sich denn anfühle, Pokalsieger zu sein oder wie viele Tage nun gefeiert werde. Nicht so beim FC Bayern München. Keine halbe Stunde nach der Pokalübergabe stand Abwehrspieler Martin Demichelis schon vor den Mikrofonen, und der Rest der Mannschaft folgte auf dem Fuß. Auch wenn sich die Spieler des deutschen Rekordpokalsiegers über den 15. Triumph der Bayern freuten, war ihnen anzumerken, dass er nur eine Zwischenstation auf dem Weg zum möglichen ersten Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League darstellt.

Zu überlegen sind die Münchener derzeit im nationalen Vereinsfußball, als dass ein 4:0-Finalsieg gegen den Pokalverteidiger Werder Bremen – immerhin Dritter der Bundesliga – etwas Besonderes darstellen würde. »Es tut mir leid, aber damit habe ich gerechnet«, sagte Trainer Louis van Gaal. »Nein, überrascht hat mich das nicht«, stimmte Kapitän Mark van Bommel ein. »Die haben so ein großes Selbstbewusstsein und setzen das auch um. Da muss schon alles funktionieren, um sie ein paar mal zu ärgern«, musste auch Werders Trainer Thomas Schaaf anerkennen, dass diese Bayern-Mannschaft derzeit eindeutig das Beste ist, was der deutsche Klubfußball zu bieten hat. »Die sind nicht nur diesen berühmten Tick besser als der Rest der Bundesliga, sondern einiges mehr«, schien Bremens Geschäftsführer Klaus Allofs schon fast begeistert über die Spielfreude des Gegners.

Immerhin ist es den Bremern zu verdanken, dass das Pokalfinale bei aller Münchener Überlegenheit nie langweilig war. Trotz defensiver Grundtaktik hatten Claudio Pizarro, Torsten Frings und Aaron Hunt in der 8. Minuten gleich dreifach die Möglichkeit zur Führung, doch scheiterten sie allesamt an Torhüter Hans-Jörg Butt und Demichelis. »Wenn wir mit 1:0 in Führung gehen, sieht das Spiel vielleicht anders aus, aber so haben die Bayern verdient gewonnen«, trauerte Sebastian Boenisch der verpassten Großchance nach.

Ansonsten stürmte aber fast nur der Meister, der schließlich per Handelfmeter durch Arjen Robben (35.) verdient in Führung ging. Werder musste in der zweiten Halbzeit mehr riskieren, wurde offensiver, doch die Tore schoss der FC Bayern. Ivica Olic nach einer Ecke (51.), Franck Ribery im Konter (63.) und der überragende Bastian Schweinsteiger (84.) nach schönem Pass von Philipp Lahm stellten sicher, dass die einseitige Partie auch ihr würdiges Ergebnis fand.

»Wir stehen diesmal nicht auf dem Balkon, das ist sehr schade. Ich finde, man muss jeden Pokal feiern«, wurde van Gaal schon beinahe wehmütig ob des bevorstehenden Finales in der Champions League am Samstag gegen Inter Mailand. Zunächst wollte er seine Spieler schon am gestrigen Sonntag wieder zum Training bitten, sah dann aber doch davon ab, vielleicht als Dank dafür, dass sie ihm diesmal das Bad im Bier erspart hatten.

»Das Triple vor Augen war schon heute eine große Motivation«, sagte Lahm. »Viele haben davor gesagt, dass es schwer wird, sich für ein Pokalfinale zu motivieren kurz nach dem Gewinn der Meisterschaft und eine Woche vor dem Champions-League-Finale. Aber man hat gesehen, dass die Mannschaft hungrig ist auf Titel und dass sie das Triple unbedingt will.«

Bei solch klaren Verhältnissen vergaßen sogar die Bremer die traditionelle Erzfeindschaft. Kapitän Torsten Frings: »So wie die Bayern zur Zeit drauf sind, muss man sich auch für die Champions League keine Sorgen machen.«

Abonniere das »nd«
Linkssein ist kompliziert.
Wir behalten den Überblick!

Mit unserem Digital-Aktionsabo kannst Du alle Ausgaben von »nd« digital (nd.App oder nd.Epaper) für wenig Geld zu Hause oder unterwegs lesen.
Jetzt abonnieren!

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal