Träume ohne Illusionen

Chilenen nach Aus im Achtelfinale zwischen Trauer und Stolz

  • Lars Reinefeld, dpa
  • Lesedauer: 2 Min.

Am Ende blieben immerhin die Erinnerungsfotos und der Blick in die Zukunft. Nach dem WM-Aus gegen den übermächtigen Rekordweltmeister Brasilien war der Frust bei den Chilenen schnell verflogen. »Natürlich bin ich enttäuscht, aber vor allem stolz auf meine junge Mannschaft«, sagte Chiles Trainer Marcelo Bielsa. »Es war das Ende eines Traums, den die jungen Spieler in vier Jahren aber wieder träumen können, wenn Brasilien WM-Gastgeber ist«, kommentierte die Tageszeitung »La Nación« den K.o im Achtelfinale.

Chancenlos hatte sich das Team Chiles beim 0:3 gegen Brasilien verabschiedet, doch in der Vorrunde ihr großes Potenzial angedeutet. »Einerseits sind wir traurig, dass wir draußen sind, andererseits sind wir stolz auf das, was wir hier geleistet haben«, sagte der Leverkusener Arturo Vidal, der im Mittelfeld wie seine Kollegen den Ball zwar schön laufen ließ, aber nicht zwingend genug agierte.

Großen Illusionen hatte sich die Mannschaft bereits vor der Partie nicht hingegeben. Schon im letzten Gruppenspiel gegen Europameister Spanien waren sie an ihre Grenzen gestoßen, erreichten das Achtelfinale nur, weil die Schweiz kein Tor gegen Honduras schoss. Vor dem Achtelfinale machten die Spieler der »La Roja« mit ihren Kameras wie Touristen Beweisaufnahmen vom Duell mit der »Seleção« – an ein Wunder glaubte niemand.

»Wir haben davon geträumt, weiterzukommen«, sagte Mittelfeldspieler Rodrigo Millar zwar. »Aber leider haben wir gegen Brasilien gespielt, die beste Mannschaft der Welt.« Nur eine halbe Stunde lang konnten die Chilenen den großen Favoriten ein klein wenig in Verlegenheit bringen.

Und so richteten die Chilenen bereits unmittelbar nach dem Schlusspfiff den Blick auf die Zeit nach der WM. »Das Turnier hilft uns für die Zukunft, jetzt haben wir mehr Erfahrung«, sagte Vidal mit Blick auf nächste Weltmeisterschaft in vier Jahren in Brasilien. »Wir hatten die jüngste Mannschaft hier bei diesem Turnier. Das erlaubt uns daran zu glauben, dass das Team wachsen und stärker zurückkommen wird«, sagte Trainer Bielsa.

Ob »El Loco« (der Verrückte) den Weg seiner verheißungsvollen Mannschaft, das von der niederländischen Fußballlegende Johan Cruyff als beste Elf der Vorrunde geadelt worden war, weiter begleiten wird, ließ er am Montagabend offen. »Ich denke nicht, dass das jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um darüber zu sprechen«, wiegelte Bielsa am Montag kurz vor Mitternacht alle Fragen zu seiner Person ab. Die Fans verehren ihn trotz des Ausscheidens weiter. Schließlich hat er »La Roja« erstmals seit zwölf Jahren wieder zu einer WM geführt.

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