Werbung

Anschlag auf »Treibhaus« in Döbeln

Sachsens Alternative im Visier von Brandstiftern

  • Lesedauer: 2 Min.

Leipzig/Döbeln (epd/ND). Im sächsischen Döbeln ist in der Nacht zum Donnerstag erneut ein Brandanschlag auf den alternativen Verein »Treibhaus« verübt worden. Wie ein Polizeisprecher auf Nachfrage in Leipzig mitteilte, hat in der Nacht ein Unbekannter ein Transparent vom Gebäude des »Café Courage« heruntergerissen und abgebrannt. Ein rechtsextremer Hintergrund werde nicht ausgeschlossen. Das Transparent wendete sich den Angaben zufolge gegen die Abschiebung von Flüchtlingen und forderte ein großzügigeres Bleiberecht.

Das Café wird vom Verein »Treibhaus« getragen, der sich nach eigenen Angaben in der Bildungs-, Jugend-, Kultur- und Migrationsarbeit engagiert. Er wendet sich explizit auch gegen Rechtsextremismus. Bereits im Juli waren die Autos von zwei Vereinsmitarbeiterinnen in Döbeln von Unbekannten in Brand gesetzt worden. Der Polizeiliche Staatsschutz ermittelt.

In den vergangenen Wochen mehrten sich Brandanschläge in Sachsen. Am Dienstag und in der vergangenen Woche steckten Unbekannte jeweils nachts alternative Wohnprojekte in Dresden in Brand. In Freiberg und Eilenburg wurden von Migranten betriebene Imbissstände durch Feuer zerstört. Dabei war jeweils großer Sachschaden entstanden. Menschen wurden nicht verletzt.

Nach Angaben der Opferberatung RAA hat es bisher noch nie so viele Brandanschläge in so kurzer Zeit gegeben. Besonders die Anschläge auf die Wohnprojekte zeigten, dass inzwischen auch der private Rückzugsort für gegen Rechtsextremismus Engagierte zur Gefahr werden kann, sagte eine Mitarbeiterin in Leipzig am Donnerstag.

Die Leipziger Stadträtin Juliane Nagel (LINKE) äußerte sich »entsetzt über die neue Qualität neonazistischer Gewalt«. Dabei gehe es nicht mehr um Einschüchterungsversuche, »sondern um Angriffe auf Leib und Leben«, betonte Nagel. Dass vor diesem Hintergrund der Etat für das Landesprogramm zur Stärkung von Demokratie und Vorbeugung antidemokratischen Handels im sächsischen Sozialministerium im kommenden Doppelhaushalt um die Hälfte gekürzt werden soll, sei ein Affront, betonte die LINKEN-Politikerin. Die davon betroffenen Mobilen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus beim Kulturbüro Sachsen sowie die Beratungsstelle für Opfer rechtsextremer Gewalt leisteten unabdingbare Arbeit, indem sie Kommunen und zivilgesellschaftliche Akteure berieten.

#ndbleibt – Aktiv werden und Aktionspaket bestellen
Egal ob Kneipen, Cafés, Festivals oder andere Versammlungsorte – wir wollen sichtbarer werden und alle erreichen, denen unabhängiger Journalismus mit Haltung wichtig ist. Wir haben ein Aktionspaket mit Stickern, Flyern, Plakaten und Buttons zusammengestellt, mit dem du losziehen kannst um selbst für deine Zeitung aktiv zu werden und sie zu unterstützen.
Zum Aktionspaket

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal