Namentliches Gedenken

Sachsen-Anhalt: Die KZ-Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge wird neu gestaltet

  • Uwe Kraus, Langenstein-Zwieberge
  • Lesedauer: 3 Min.
Am Mittwoch begann die Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge unweit der Harzstadt Halberstadt.
»Die Umgestaltung der 1969 errichteten Anlage wurde vor allem nötig, um die darunter liegenden Massengräber zu markieren und ein namentliches Gedenken an die Opfer des früheren KZ-Außenlagers zu ermöglichen«, so Stiftungsdirektor Dr. Kai Langer, der die aktualisierten Pläne zur Umgestaltung der KZ-Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge erläuterte. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Konflikte mit den Opferverbänden über die Gestaltung. Nach Angaben der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt sollen für die Neugestaltung rund 153 000 Euro eingesetzt werden.

Die Gedenkstätte erinnert an die Opfer des Buchenwald-Außenlagers »Malachit«. Ab April 1944 trieben etwa 7000 Häftlingen ein 13 Kilometer langes Tunnelsystem in den Sandstein der Thekenberge. Dort sollte unter Tage eine bombensichere und getarnte Anlage zur Herstellung von Flugzeugteilen entstehen.

Bei den schweren Arbeiten im Stollen und unter den unmenschlichen Bedingungen im Lager sowie wegen Entkräftung starben 2000 Menschen, von den 3000, die ab 9. April 1945, zwei Tage vor der Befreiung durch US-Truppen, auf Todesmärsche geschickt wurden, überlebten nur 500. Die US-amerikanischen Streitkräfte fanden bei der Befreiung 1400 abgemagerte Häftlinge, die als Kranke im Barackenlager zurückgeblieben waren, vor. Die Toten bestattete man in sechs Massengräbern. Über diesen konnte aufgrund der Initiative der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes bereits am 11. September 1949 ein Mahnmal für die Opfer aus 23 Ländern Europas eingeweiht werden. Damals waren nur wenige Namen der Opfer bekannt. Erst im Laufe der Jahre konnten durch intensive Suche bisher 924 Namen ermittelt werden.

Fünf der Massengräber befinden sich unter dem Plateau des Mahnmals, das nach Entwürfen des Bildhauers Eberhard Roßdeutscher von 1966 bis 1968 durch die Errichtung einer Plattform vergrößert wurde. »Die gesamte Anlage trägt seither den Charakter eines Prozessionsweges, der über einen monumentalen Treppenaufgang mit Flammenschalen die Aufmerksamkeit der Besucher auf den Obelisken als wesentliches Gestaltungselement richtet«, so die Stiftung Gedenkstätten.

Nun sollen die Gräber kenntlich gemacht werden. Dies geschieht durch Halden mit einer Überdeckung aus Steinen des Tunnelsystems, in dem die Häftlinge von den SS-Schergen zu unmenschlich harter Arbeit gezwungen und ermordet wurden. Tafeln werden an die namentlich ermittelten Todesopfer am Ort ihrer Gräber erinnern. Die Mitglieder des Fördervereins der Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge sammeln Spenden für deren Anfertigung. Zusammen mit dem sechsten, südlichen Massengrab und dem Gedenkort »Todeskiefer«, der Folter- und Hinrichtungsstätte des Lagers mit einem Einzelgrab, soll das den Friedhofscharakter der Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge verdeutlichen. Der bisherige Mahnmalkomplex wird aber weitgehend erhalten bleiben, weil er selbst ein Denkmal für die Geschichte der Erinnerungskultur sei.

Seit April 1991 sind die »Tage der Begegnung« mit ehemaligen Häftlingen, Hinterbliebenen der Todesopfer und Angehörigen der ehemaligen Gefangenen der jährliche Höhepunkt der Erinnerungsarbeit der Gedenkstätte. Dort arbeitet seit 1998 eine internationale »Gruppe der zweiten Generation«, die sich der Dokumentation und Bewahrung der Erinnerung widmet sowie neue Formen der Geschichtsvermittlung entwirft. »Mit der Neugestaltung der Anlage wird die Grundlage für ein würdiges Gedenken und Ehren der Toten unter Berücksichtigung der bisherigen Tradition der Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge geschaffen«, erklärte der Vorsitzende des Stiftungsrates, Staatssekretär Rüdiger Erben.

2005 war es erstmalig möglich, einmal monatlich auch einen kleinen Teil des Stollensystems für die Gedenkstättenbesucher sichtbar zu machen. Es war Ende der 70er Jahre in eine Untertageanlage der NVA ausgebaut worden und beherbergte nach der Einführung der D-Mark das gesamte DDR-Papiergeld.

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