Auswärtiges Amt streicht Zuschüsse für Deutsche Seemannsmission

Bremen (epd/ND). Das Auswärtige Amt streicht die über Jahre gewährten Zuschüsse für die evangelische Deutsche Seemannsmission. Die Gelder seien bereits seit 2002 von damals jährlich 172 000 Euro auf jetzt 33 000 Euro abgesenkt worden, sagte die Generalsekretärin der Seemannsmission, Heike Proske, am Freitag. »Nächstes Jahr gibt es kein Geld mehr«, ergänzte die leitende Theologin. Nach Angaben des zuständigen Referatsleiters im Auswärtigen Amt, Dieter Reinl, werden die Zuschüsse aus haushaltsrechtlichen Gründen gestrichen.

Die bisherige Förderpraxis sei laut Bundesrechnungshof unzulässig, hieß es aus Berlin. Ausdrück-lich wolle das Auswärtige Amt die Streichung der Bundesmittel nicht als Ausdruck der Kritik oder der Unzufriedenheit mit der Arbeit der Seemannsmission verstanden wissen. Das Gegenteil sei der Fall, heißt es in einem Schreiben an die Zentrale der Deutschen Seemannsmission in Bremen. Aber die Zuschüsse entsprächen einer institutionellen Förderung, die nicht zulässig sei.

Die Streichung trifft das Werk mit einem Jahresetat von rund 2,4 Millionen Euro hart, nachdem in den vergangenen Jahren schon die Kirchenzuschüsse massiv zurückgefahren wurden. Sie betragen Proske zufolge nur noch etwa 40 Prozent des Haushaltes, der zum größten Teil durch Eigeneinnahmen der Auslandsstationen und durch Spenden bestritten wird. Überdies hofft die Generalsekretärin, dass sich dem Werk im Zusammenhang mit dem internationalen Seearbeitsübereinkommen neue Finanzierungsquellen eröffnen.

Der 2006 geschlossene Vertrag der »International Maritime Organization« (IMO) regelt einen weltweit gültigen Katalog von arbeits- und sozialrechtlichen Grundrechten für Seeleute. Deutschland hat das Abkommen aber noch nicht ratifiziert. Wenn das geschehen sei, würde die Seemannsmission die dann notwendige soziale Arbeit gegen Bezahlung gerne übernehmen, kündigte Proske an. »Wir sind Spezialisten dafür.« Eine weitere Kürzung des Etats der Seemannsmission wäre nach Einschätzung der Generalsekretärin hingegen existenzbedrohend: »Wir sind in dieser Hinsicht am Ende der Fahnenstange angekommen.«

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