Sozialrichter gegen CSU-Rebellen

In Landshut könnte es bald den ersten grünen Oberbürgermeister in Bayern geben. Am Wochenende wird dort gewählt

  • Von Ulf Vogler, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.
Grüne Bürgermeister gab es in Bayern schon, einen Oberbürgermeister der Grünen noch nicht. Dies könnte sich nun ändern. In der niederbayerischen Bezirkshauptstadt Landshut gilt ein Grüner bei den anstehenden Wahlen als schärfster Konkurrent des CSU-OB.

Landshut. Ausgerechnet ein grüner Oberbürgermeister-Kandidat macht den Christsozialen im schwarzen Stammland Niederbayern das Leben schwer. Wenn am 10. Oktober in der Bezirkshauptstadt Landshut über den künftigen Rathauschef abgestimmt wird, könnte der Grüne Thomas Keyßner Amtsinhaber Hans Rampf (CSU) in die Stichwahl zwingen. Nach den Abstimmungen der vergangenen Jahre ist Keyßner der schärfste Konkurrent des bisherigen OB. Insgesamt wollen 6 Kandidaten in der 63 000 zählenden Einwohner Stadt Oberbürgermeister werden. Den weiteren Bewerbern, Robert Gewies (SPD), Robert Mader (Freie Wähler), Christoph Zeitler (FDP) und Jonny Huber (LINKE), werden allerdings nur Außenseiterchancen eingeräumt.

Bis vor sechs Jahren waren OB-Wahlen in Landshut eine eher langweilige Angelegenheit. CSU-Mann Josef Deimer regierte weit mehr als drei Jahrzehnte unangefochten, zum Schluss war Deimer längst der dienstälteste Oberbürgermeister in ganz Deutschland. Doch seitdem geht es bei Kommunalwahlen in Landshut drunter und drüber. Bei der Frage, wer Deimer folgen sollte, hatte sich die Landshuter CSU 2004 heillos zerstritten. Der jetzige OB Rampf hatte sich damals quasi an die Macht geputscht. Als ihn seine Partei nicht nominierte, trat der in der Bevölkerung beliebte damalige Burger-Restaurantbesitzer mit einer eigenen Liste an – gegen seine Partei. Der offizielle CSU-Bewerber spielte beim Urnengang keine Rolle und landete abgeschlagen bei 15 Prozent.

Schon damals holte der Sozialrichter Keyßner jede vierte Stimme und wurde Zweiter. Nach der Wahl dauerte es noch einige Zeit, ehe die Grabenkämpfe bei den Christsozialen beigelegt wurden. Mittlerweile ist der 61-jährige Rampf unumstritten. »Es ist ein besseres Miteinander als vor sechs Jahren«, sagt er. Doch ganz erholt hat sich die CSU bislang nicht. Bei der Stadtratswahl 2008 ging es steil nach unten: von der absoluten Mehrheit auf 37,5 Prozent. Die Grünen wurden mit knapp 17 Prozent zweitstärkste Kraft und ihr Spitzenmann Keyßner zum ehrenamtlichen zweiten Bürgermeister und damit OB-Stellvertreter.

Keyßner könnte nun durch die aktuelle Atom-Diskussion und den bundesweiten Höhenflug der Grünen weiteren Rückenwind erhalten. Schließlich steht mit dem Meiler Isar 1 eines der ältesten und umstrittensten Kernkraftwerke vor Landshuts Toren. »Das ist ein Riesen-Thema«, sagt Keyßner. Zwar haben sich inzwischen auch die Landshuter Christsozialen mehrheitlich für eine Abschaltung von Isar 1 in nächsten Jahr ausgesprochen, aber ansonsten bleibt die CSU natürlich auf Atom-Kurs.

Der 54-Jährige Keyßner ist im oberfränkischen Hof geboren, in Coburg aufgewachsen und hat Karriere in der Justiz gemacht. Zuletzt war er Richter beim Landessozialgericht. Wegen seines Bürgermeisterpostens muss Keyßner seinen Richterjob ruhen lassen, derzeit leitet er eine Behörde zur Eingliederung von Schwerbehinderten. Keyßner ist optimistisch, dass es am 24. Oktober eine Stichwahl zwischen ihm und Rampf geben wird.

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