Kriegserklärung an Wilderer

279 getötete Nashörner in Südafrika / Militär angefordert

  • Von Armin Osmanovic, Johannesburg
  • Lesedauer: 3 Min.
279 Nashörner wurden von Januar bis Ende November in Südafrika von Wilderern getötet. Jeden Monat fallen dort etwa 20 Tiere Wilderern zum Opfer. In dem Land am Kap leben 90 Prozent der verbliebenen 23 000 Nashörner Afrikas. Letztes Jahr wurden 122 und das Jahr zuvor lediglich 83 Nashörner getötet.

Die Wilderei in Südafrikas Naturparks hat rasant zugenommen. Dies geht vor allem auf die stark steigende Nachfrage aus Ostasien nach Pulver aus dem Horn der Tiere zurück – ihm wird heilende und aphrodisierende Wirkung angedichtet. Insbesondere in China und Vietnam stieg zuletzt die Nachfrage, da die Heilung eines an Krebs erkrankten vietnamesischen Ministers mit der Einnahme von »Nashornmedizin« erklärt wurde. Und so wurden die meisten der 101 zwischen Januar und Oktober legal erlegten Nashörner durch Jäger aus Vietnam getötet.

Die Parkverwaltung Südafrikas (SanParks) ist angesichts der dramatisch gestiegenen Zahl getöteter Nashörner in heller Aufregung. Ende November wurden in wenigen Tagen allein 17 tote Tiere in einem privaten Naturreservat entdeckt, das an Südafrikas größtes Schutzgebiet, den Krüger-Nationalpark, angrenzt. SanParks fordert nun den Einsatz des Militärs. Südafrikas Verteidigungsministerin Lindiwe Sisulu bestätigte gegenüber der Presse das Hilfsgesuch der Parkverwaltung und sicherte zu, dass das Militär mit Luftaufklärung, einer unbemannten Drohne, den Kampf gegen die Wilderer in Zukunft unterstützen werde.

SanParks oberster Ranger David Mabunda zeigte sich seinerseits entschlossen, den Kampf gegen die Wilderer zu intensivieren. Zuletzt kam es im Oktober zu einer blutigen Konfrontation, bei der Park-Ranger zwei Wilderer, die aus Mosambik in den Krüger-Nationalpark eingedrungen waren, anschossen. Einer der Verletzten verstarb darauf.

Ob Park-Ranger und Militär den gut organisierten Wilderern beikommen können, ist fraglich. Schließlich handelt es sich bei den Nationalparks und Naturreservaten um riesige Gebiete, die dauerhaft kontrolliert werden müssten. Allein der Krüger-Nationalpark ist so groß wie Belgien. Der Anstieg der Wilderei wird aber auch als Versagen einiger regionaler Naturschutzbehörden gesehen.

Für den World Wide Fund for Nature (WWF) liegt der Schlüssel zum Schutz der Nashörner in der Bildung. Um die Nachfrage nach Nashorn und damit die Ursache der Wilderei zu reduzieren, müsse man in Vietnam und China die Konsumenten überzeugen, dass die Nashorn-Produkte nicht die erhoffte Wirkung hätten. Morné du Plessis vom WWF Südafrika verweist auf die Erfolge beim Schutz der Spitzmaulnashörner. Deren Bestand schwand von 70 000 im Jahr 1970 auf 2500 im Jahr 1992 wegen der großen Nachfrage aus Jemen, wo aus dem Horn des Nashorns Dolchgriffe hergestellt wurdenen. Heute sei die Nachfrage auf fast »null« zurückgegangen.

Ebenso wichtig im Kampf gegen die Wilderei ist die Einbeziehung der Bevölkerung in den an die Parks angrenzenden Gebieten. In Südafrikas Provinz KwaZulu Natal hat die lokale Bevölkerung einen Teil des Ndumo-Wild-Parks besetzt, um dort Landwirtschaft zu treiben. An vielen Orten kommt es zwischen Afrikas stark wachsender Bevölkerung und den Wildtieren in und außerhalb der Parks zu Konflikten. Die Lösung dieser Probleme wird große finanzielle Summen in Anspruch nehmen.

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