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Hamas: »Historische Katastrophe«

Weitere Palästina-Dokumente veröffentlicht

Die Palästinenserführung gerät wegen brisanter Einzelheiten über ihre Kompromissbereitschaft bei den Nahost-Friedensverhandlungen immer weiter unter Rechtfertigungszwang.

Ramallah (dpa/ND). Der arabische Fernsehsender Al-Dschasira und die britische Tageszeitung »Guardian« veröffentlichten am Dienstag weitere der rund 1600 Geheimdokumente. Sie zeigen eine Bereitschaft der palästinensischen Unterhändler zu weitreichenden Zugeständnissen und vermitteln den Eindruck, dass sich die palästinensischen Unterhändler damit abgefunden hatten, dass nur 10 000 der rund 4,8 Millionen offiziell registrierten palästinensischen Flüchtlinge und Vertriebenen nach Israel zurückkehren dürfen. Israels damaliger Ministerpräsident Ehud Olmert soll ein entsprechendes Angebot unterbreitet haben.

Der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat bezeichnete Berichte über die Bereitschaft zu Zugeständnissen in der Flüchtlingsfrage als falsch. Erekat warf Al-Dschasira vor, der Sender hetze gegen die Autonomiebehörde mit dem Ziel, sie zu zerstören. »Die Veröffentlichung schwächt die Autonomiebehörde und schadet ihrer Glaubwürdigkeit«, sagte der palästinensische Kommentator Hani Masri. Die im Gaza-Streifen herrschende radikalislamische Hamas bezeichnete die veröffentlichten »Palästina-Dokumente« am Dienstag als »historische Katastrophe«. Die Unterhändler seien bereit, das Rückkehrrecht der palästinensischen Flüchtlinge aufzugeben, sagte Hamas-Sprecher Fausi Barhum.

Die US-Regierung sieht kurzfristigen Schaden für den Friedensprozess. »Wir leugnen nicht, dass diese Veröffentlichung zumindest eine Zeit lang die Situation nur noch schwieriger machen wird, als sie schon war«, sagte Außenamtssprecher Philip Crowley. Die USA arbeiteten weiter daran, Israelis und Palästinenser zur Wiederaufnahme der seit September auf Eis gelegten Gespräche zu bringen.

Israelische Medien berichteten am Dienstag ausführlich über Kompromissvorschläge beider Seiten während der Nahost-Verhandlungen 2008. Der damalige Generaldirektor des israelischen Außenministeriums, Aharon Abramowitsch, sagte dem israelischen Rundfunk, die Verhandlungen während Olmerts seien tiefschürfend und ernsthaft gewesen. Sie hätten kurz vor dem Abschluss gestanden.

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