Ein Stück vom schönen Lack ist ab

Das DFB-Team freut sich nach dem 1:0 gegen Nigeria über den Viertelfinaleinzug, hadert aber mit der Leistung

  • Mark Wolter, Frankfurt am Main
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Abfahrt aus Frankfurt hatten sich die deutschen Fußballerinnen anders vorgestellt. Mit einem besseren Gefühl und größerem Selbstbewusstsein wollten sie die kurze Reise nach Düsseldorf antreten. Mit einem Ausrufezeichen für die Konkurrenten, dass die DFB-Elf ein heißer Kandidat ist, in zwei Wochen wieder zurück zum Finale nach Frankfurt zu kommen. Stattdessen stiegen die Nationalspielerinnen gestern Mittag – nur 15 Stunden nach dem schwer erkämpften 1:0-Erfolg gegen Nigeria – mit gemischten Gefühlen in den ICE. Zum einen mit der Erleichterung über den vorzeitig geschafften Viertelfinaleinzug, zum anderen mit dem Wissen, wieder nicht überzeugt zu haben.

»Das war mehr Krampf und Kampf«, kommentierte Bundestrainerin Silvia Neid das Fehlpassfestival und einfallslose Spiel ihrer Mannschaft, in der Simone Laudehr mit ihrem Tor für das einzige Highlight gesorgt hatte. »Mir und allen anderen fiel ein Stein vom Herzen«, beschrieb die Mittelfeldspielerin die Szene in der 54. Minute, in der sich der Frust über eine erneut schwache Leistung kurzzeitig in Jubel auflöste. »Das hängt dann doch mit dem Kopf zusammen und den hohen Erwartungen«, versuchte Neid sich an einer Erklärung und kündigte mentale Aufbauarbeit an. »Ich werde sehr viele Einzelgespräche führen.«

Besonderen Redebedarf wird es mit Birgit Prinz geben, an der die Spielzüge und die Gegnerinnen regelmäßig vorbeiliefen und die bei ihrer Auswechslung kurz nach der Halbzeit die Kapitänsbinde wütend zu Boden schmiss. »Natürlich ist man nicht glücklich, wenn man nach 50 Minuten ausgewechselt wird«, sagte Prinz. »Aber ich habe mich auch darüber geärgert, dass wir nicht wirklich Fußball gespielt und uns keine Torchancen erarbeitet haben. Es war eine Mixtur aus beidem«, sagte die 33-Jährige, der zunehmend die Dynamik fehlt.

Die Bundestrainerin stellte sich vor ihre Spielführerin. »Alle habe nach vorn nicht so gespielt, wie wir es gern gesehen hätten«, kritisierte Neid die Mannschaft, in der Melanie Behringer nach einer Sprunggelenksverletzung für die nächste Partie auf der linken Seite auszufallen droht. »Auf mich wirken die Spielerinnen gehemmt«, meinte Neid und gab zu, dass ein Stück vom schönen Lack der problemlosen und erfolgreichen Vorbereitungszeit ab ist. »Es ist nicht mehr so federleicht.«

Die überaus robuste Spielweise der Nigerianerinnen wollten die DFB-Frauen nicht als Ausrede gelten lassen. Als »internationale Härte« tat Torhüterin Nadine Angerer das harte Einsteigen ab, und auch Prinz meinte: »Sie waren an der Grenze des Erlaubten, aber es war viel erlaubt, also haben sie es einfach gut gemacht.« Vor allem die Offensivabteilung fand kein Mittel, sich gegen den gut organisierten Afrikameister durchzusetzen. Passend dazu trug Innenverteidigerin Annike Krahn die Auszeichnung für die beste Spielerin der Partie vom Platz.

»Es waren zwei Spiele, die für uns sehr schwer waren. Wir sind alle ein bisschen frustriert«, meinte Kim Kulig, versuchte aber wie ihre Mitspielerinnen zu demonstrieren, dass das Selbstvertrauen noch nicht ramponiert ist: »Das erste Ziel ist erreicht, aber das nächste ist, Gruppenerster zu werden. Deswegen wollen wir auch das dritte Spiel gewinnen und schauen jetzt nur noch auf Frankreich.« Das Team von Bruno Bibi hatte zuvor die Kanadierinnen vorgeführt. »4:0 muss man erstmal gegen Kanada gewinnen«, zeigte sich Annike Krahn beeindruckt. Da die Französinnen das bessere Torverhältnis haben, muss am Dienstag in Mönchengladbach ein Sieg her. Stürmerin Alexandra Popp spekuliert schon auf einen Nebeneffekt: »Ein Erfolg würde auch das Selbstbewusstsein steigern.«

Deutschland: Angerer - Bresonik, Krahn, Bartusiak, Peter - Kulig, Laudehr - Garefrekes, Prinz (53. Grings), Behringer (31. Popp) - Okoyino da Mbabi (87. Bajramaj).

Nigeria: Dede - Ikidi, Ohale, Ebi, Ukaonu - Michael (70. Sunday), Chikwelu - Mbachu (85. Ordega), Orji (63. Aighewi) - Nkwocha - Oparanozie.

Tore: 1:0 Laudehr (54.).

Schiedsrichterin: Cha (Südkorea).

Zuschauer: 48817 (ausverkauft).

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