Zustimmung für Breivik aus Italien
Lega-Nord-Parlamentarier löst Entsetzen aus
»Viele seiner Ideen sind gut, einige sind hervorragend«, sagte der Vertreter der Lega, die in Italien Regierungsverantwortung trägt. Wenn es zu Gewalt gekommen ist, sei dies ausschließlich Schuld der »Invasion von Migranten«.
Borghezio erklärte weiter, dass etwa 100 Millionen Europäer diese Ansichten teilen: »Die Christen dürfen nicht länger Opfertiere sein: Wir müssen sie verteidigen!« Er räumte ein, dass ein Massaker nicht die richtige Art der Verteidigung sei. Doch auch dazu äußerte er seine Zweifel und suggerierte, dass zumindest die Polizei von dem Vorhaben Breiviks gewusst haben müsse und ihn wohl aus »guten Gründen« nicht gestoppt habe. »Wenn wir zwei und zwei zusammenzählen«, so Borghezio, »ist doch klar, dass dieses Massaker benutzt wird, um Positionen wie die von Oriana Fallaci zu verurteilen. Dazu gebe ich mich nicht her.« Er spielte damit auf die italienische Journalistin an, die vor ihrem Tod 2006 islamfeindliche Äußerungen machte. Die Ermordung von 76 Menschen, so in der Konsequenz die These des italienischen Abgeordneten, sei von den Kräften billigend in Kauf genommen worden, die eine multikulturelle und liberale Gesellschaft wollen.
Zumindest ein Teil der italienischen Politik ist angesichts dieser Erklärungen entsetzt. Vertreter verschiedener Oppositionsparteien haben angekündigt, dass sie Mario Borghezio wegen »Anstiftung zum Rassenhass« verklagen werden. Sie forderten das Europäische Parlament auf, sich sofort mit dem Fall Borghezio zu befassen. Minister Roberto Calderoli (ebenfalls Lega Nord) erklärte, dass Borghezio nur seine persönliche Meinung geäußert habe. Von einem Parteiausschluss ist indes nicht die Rede.
Wir stehen zum Verkauf. Aber nur an unsere Leser*innen.
Die »nd.Genossenschaft« gehört denen, die sie lesen und schreiben. Sie sichern mit ihrem Beitrag, dass unser Journalismus für alle zugänglich bleibt – ganz ohne Medienkonzern, Milliardär oder Paywall.
Dank Ihrer Unterstützung können wir:
→ unabhängig und kritisch berichten
→ übersehene Themen in den Fokus rücken
→ marginalisierten Stimmen eine Plattform geben
→ Falschinformationen etwas entgegensetzen
→ linke Debatten anstoßen und weiterentwickeln
Mit »Freiwillig zahlen« oder einem Genossenschaftsanteil machen Sie den Unterschied. Sie helfen, diese Zeitung am Leben zu halten. Damit nd.bleibt.