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Frauen setzen gern auf Angriff

Die deutsche Meisterin Sarah Hoolt will bei der 6. nd-Damenschachgala auch die internationale Konkurrenz in Bedrängnis bringen

Cool bleiben, selbst wenn es eng wird. Das ist die Stärke von SARAH HOOLT. Bei den deutschen Schachmeisterschaften 2011 lief sie lange einem Rückstand hinterher, bis sie in der letzten Runde noch den Sieg errang. Die 23-jährige BWL-Studentin will nun ebenso nervenstark die 6. nd-Damenschachgala aufmischen. Mit ihr sprach ND-Autor RENE GRALLA.

ND: Nach einem tollen Endspurt sind Sie Anfang Juni deutsche Meisterin geworden. Haben Sie sich für die nd-Damenschachgala Ähnliches vorgenommen?
Auf jeden Fall werde ich alles probieren. Mir ist natürlich bewusst, dass die Konkurrenz sehr stark ist.

Die anderen Teilnehmerinnen haben ein höheres Rating als Sie. Wie entscheidend ist das?
Chancen gibt es immer, die nd-Damenschachgala ist ja ein Schnellturnier. Und wenn eine Spielerin erst einmal in Zeitnot gerät und blitzen muss, kann auch das Glück eine Rolle spielen. Deswegen strebe ich immer taktisch scharfe Stellungen an, in denen viel los ist, so dass die Gegner eher mal fehlgreifen können.

Die nd-Gala ist eine Damenkonkurrenz. Für die Deutsche Meisterschaft schlagen Sie ein gemischtes Turnier für Frauen und Männer vor. Warum?
Im deutschen Frauenschach gibt es an der Spitze einige sehr gute Spielerinnen. Darunter kommt leider erst mal lange wenig. Folglich ist es für Sportlerinnen aus dem Nationalkader nicht sehr interessant, bei einem derartigen Leistungsgefälle ein reines Frauenturnier auszutragen. Die sportliche Herausforderung ist größer, wenn auch Männer antreten.

Würde Ihr Reformvorschlag angenommen, wären Sie dafür bestens gerüstet: Beim französischen Spitzenturnier Open Cappelle la Grande schlugen Sie den englischen Großmeister Anthony Kosten, der viele Bücher über Schacheröffnungen geschrieben hat.
Im Elo-Rating sind die Männer zwar mehrheitlich stärker. Aber natürlich können sie trotzdem gegen Frauen verlieren. Zumal Männer in Partien gegen Frauen nicht selten Probleme damit haben, dass Frauen meist einen anderen Spielstil pflegen.

Wo liegen die Unterschiede?
Frauen sind kreativer und angriffsfreudiger. Kommen Frauen in eine schlechtere Stellung, versuchen sie nicht, krampfhaft das Unentschieden zu halten, wie das Männer oft tun. Frauen setzen dann gerne auf noch mehr Risiko, machen sogar spekulative Züge, öffnen mutig die Stellung. Frauen nehmen Gefahren in Kauf, schaffen sich dadurch aber auch neue Möglichkeiten.

Warum hat der Deutsche Schachbund bei Mädchen und Frauen ein Nachwuchsproblem?
Schließt sich ein Mädchen einem Klub an, trifft es dort überwiegend auf ältere Männer. Das ist nicht wirklich attraktiv. Außerdem entwickeln Mädchen neben Schach meist auch andere Interessen, während Jungs eher beim Schach bleiben.

Auch Sie betreiben eine weitere Sportart.
An der Universität trainiere ich zweimal die Woche Volleyball.

Ist da eine Zweitkarriere neben dem Schach denkbar?
Leider nicht. Das scheitert schon an meiner Körpergröße, das sind nur 1,62 Meter.

Info

Die 6. nd-Damenschachgala wird am Freitag, 25. November, im Verlagssitz von »neues deutschland« ausgespielt: Münzenberg-Saal, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin. Turnierstart ist 15.30 Uhr. Unser Spitzenquartett:

  • Sarah Hoolt (Essen), 23, Deutsche Meisterin, 218. weltweit, Elo: 2286.
  • Anna Satonskich (USA), 33, US-Meisterin, Platz 15 in der Welt, Elo: 2506.
  • Elisabeth Pähtz, (Berlin) 25, Platz 35 weltweit, Siegerin der nd-Schachgala 2006, 2007, 2010. Elo: 2457.
  • Maria Musitschuk (Ukraine), 19, Platz 33 in der Welt, Elo: 2460.

Die Damen treten zunächst jede gegen jede an. Erst- und Zweitplatzierte spielen ab 19 Uhr um den Sieg. Der Eintritt ist kostenlos, für ein Imbissangebot ist gesorgt. Wer die Matt-Aufgaben löst, hat die Chance, als Blitz-Gegner einer Spielerin ausgelost zu werden. Eine weitere internationale Meisterin »blitzt« gegen den Sieger des parallel laufenden Turniers von Schachkindern aus Berliner und Brandenburger Vereinen.

Die erste Matt-Aufgabe (Autor unbekannt) ist in zwei Zügen lösbar. Auch die kniffligere Stellung in der Mitte von M. Ehrenstein (1888) findet ihre Lösung nach zwei Zügen. Rätsel Nummer drei von P. Drumare und R. Le Pontois (1962) ist nach acht Zügen zu entschlüsseln. Senden Sie ihre Vorschläge bis 21. November an: neues deutschland, Sport/Service, Stichwort: Schachgala, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin, sport@nd-online.de.

Viel Spaß und Erfolg wünscht

Ihr Sport/Service-Ressort

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