Ärger um das »Werben für's Sterben«

Protest gegen Bundeswehr auf Leipziger Fest

  • Hendrik Lasch
  • Lesedauer: 2 Min.
Die Bundeswehr richtet auf dem Leipziger Stadtfest einen Abenteuerspielplatz mit Werbeeffekt ein. Friedensfreunde wollen protestieren, sind aber nicht erwünscht.

»Nichts für Warmduscher« - so wird der »Karrieretreff« beworben, mit dem die Bundeswehr auf dem seit gestern laufenden Stadtfest in Leipzig vertreten ist. Aufgebaut ist ein zehn Meter hoher Klettergarten, es gibt ein Stuntkissen und eine »Air Power Arena«, in der sich Besucher fühlen sollen wie »furchtlose Fallschirmspringer«. Der angekündigte Adrenalinschub soll Appetit machen auf mehr: Die Fähigkeiten, die der Abenteuerspielplatz fordert, würden, wie es in der Ankündigung heißt, »auch bei der Truppe gebraucht«.

Die reißerische Ankündigung weckt in Leipzig nicht nur Neugier, sondern stößt auch auf Protest. Das Friedenszentrum und der Verein »Friedensweg Leipzig« kritisieren, mit dem Karrieretreff werde die »Ausbildung für Krieg, Tod und Auslandseinsätze verharmlost und zum Freizeitspaß stilisiert«. Nach jahrelanger Abwesenheit trete die Bundeswehr jetzt umso massiver auf dem Fest auf. Nach Ansicht der Friedensfreunde solle die Truppe aber lieber über die wahren Interessen bei Auslandseinsätzen, über die Hinterbliebenenversorgung oder die posttraumatischen Belastungsstörungen informieren, unter der viele Kriegsrückkehrer leiden.

Aus Protest gegen den Bundeswehr-Auftritt sollen Flugblätter verteilt werden; daneben sollte es gestern Abend und heute eine Mahnwache an der »Glocke der Demokratie« geben, die auf dem Augustusplatz an die Ereignisse vom Herbst 1989 erinnert. Beteiligen wollen sich auch fünf Politiker der LINKEN, darunter OB-Kandidatin Barbara Höll. Die Stadtspitze missbrauche die Tradition der friedlichen Revolution von 1989, indem sie »ein friedvolles Stadtfest für Kriegspropaganda missbrauchen lasse«, kritisiert Stadtparteichef Volker Külow.

Ob die Mahnwache stattfinden kann, war allerdings gestern zunächst unklar. Der Veranstalter des Stadtfestes sagte der »Leipziger Volkszeitung«, man könne den Protest nicht zulassen. Der Vertrag mit der Stadt untersage Auftritte politischer Gruppierungen. Gegebenenfalls müsse man »vom Hausrecht Gebrauch machen«.

Torsten Schleip vom Friedenszentrum erklärte, auch wenn die »gewaltsame Entfernung« angedroht werde, hoffe man auf Unterstützung der Aktion. Auch der Protest gegen das Militär ist offenkundig nichts für Warmduscher.

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