»Es gibt Akteure, die nicht sichtbar sind«

Moskauer Geistlicher zum Fall Pussy Riot

  • Ulf Mauder, Moskau (dpa)
  • Lesedauer: 2 Min.
Der Moskauer Strafprozess gegen Pussy Riot ist aus Sicht des russisch-orthodoxen Geistlichen Andrej Kurajew politisch motiviert. Die Inhaftierung der Feministinnen wegen Rowdytums und Aufwiegelns zu religiösem Hass schade der christlichen Kirche.

»Ich hätte es gut gefunden, wenn wir unsere Gefühle gezügelt hätten«, sagt der 49 Jahre alte Diakon und Theologe gegenüber dpa. Wie stehen Kirche und Gläubige zu dem Fall von Pussy Riot? Kurajew meint, es gebe keine einheitliche Kirchenposition. »Aber natürlich ist diese Aktion in der Erlöserkathedrale Gotteslästerung. Das liegt völlig außerhalb des Rahmens. Die Organisatoren sprechen selbst von einem Punk-Gebet. Es ging darum, Gefühle der Verletzung hervorzurufen.«

Also gar nicht reagieren? Kurajew antwortet, dass die Empörung der Kirche »programmiert« gewesen sei, »Teil des Plans der Feministinnen«. »Und wir führen uns auf wie dressierte Hunde. Um diese Aktion ins Leere laufen zu lassen, hätte man gegen dieses Szenario handeln müssen. Also entweder einfach nicht beachten. Oder mit christlicher Liebe reagieren. Das hätte Pussy Riot nicht erwartet. Leider haben wir diese Wege nicht gewählt.«

Der Geistliche spricht davon, dass es bei dieser Angelegenheit viele Akteure gebe, die nicht sichtbar sind. »Eine Sache ist die Aktion in der Kirche; eine andere aber, warum die Frauen jetzt im Gefängnis festgehalten werden - ohne Urteil. Es ist offensichtlich, dass jeder Tag, den sie absitzen, gegen die Kirche arbeitet.«

Kurajew bejaht auch die Frage ob es sich hier um einen politischen Prozess handle. Allerdings gehe es um eine Politik, »die bewusst darauf zielt, die Autorität des Patriarchen und der Kirche zu untergraben. Das scheint ein Teil des Planes zur Demontage der Zivilgesellschaft zu sein. Kyrill hat sich in den vergangenen drei Jahren dafür eingesetzt, dass die Kirche Teil einer freien Zivilgesellschaft wird. Das passt aber nicht allen Politikern und Behördenchefs.«

Den Ruf vieler Gläubiger nach Vergebung beantwortet Kurajew so: »Die Kirche vergibt denen, die darum bitten. Bisher hat keine der Feministinnen darum gebeten.«

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