Heilsbringer a.D.

Vor dem Duell mit Deutschland ist die Euphorie um Irlands Nationaltrainer Giovanni Trapattoni verpufft

  • Marco Mader, SID
  • Lesedauer: 3 Min.

Nach der Qualifikation für die Fußball-EM 2012 wurde Giovanni Trapattoni in Irland noch gefeiert. Doch der Wind hat sich gedreht.

Die irischen Fußball-Nationalspieler sind dieser Tage auf Image-Tour. Vier Spieler um Verteidiger John O'Shea vom AFC Sunderland besuchten am Dienstag Kinder im Temple Street Hospital in Dublin. Sturmstar Shane Long wiederum stand bei jugendlichen Fans auf der Matte und verschenkte Trikots. Die »Boys in green« müssen nach der EM-Blamage einiges wiedergutmachen. Doch im Zentrum der Kritik stehen nicht die Spieler, sondern ihr Trainer.

Schon vor dem glücklichen 2:1-Sieg zum Start der WM-Qualifikation in Kasachstan wurden zweifelnde Stimmen laut. »Es reicht nicht mehr, wie Muhammad Ali damals gegen George Foreman passiv zu sein und am Ende auf einen glücklichen Treffer zu hoffen«, monierte der frühere Nationalspieler Paul McGrath. Doch die Iren taten genau das - und holten zumindest die fest eingeplanten drei Punkte. Leiser wurde die Kritik an »Trap« damit aber nicht.

Richard Sadlier, auch er trug früher das grüne Trikot, forderte den Verband FAI noch am selben Abend live im Fernsehsender RTE auf, sich zu überlegen, was es kosten würde, Trapattoni zu entlassen. Vor dem morgigen WM-Qualifikationsspiel (20.45 Uhr/ZDF) in Dublin gegen Deutschland beschrieb Sadliers TV-Kollege Eamon Dunphy die Gefühlslage der Fußballnation, als er meinte, er sei »vom Gläubigen zum Skeptiker geworden. Die Kampfmoral ist schlecht, Trapattonis Zeit läuft ab.« Viel hänge vom Deutschland-Spiel ab.

Trapattoni, nach der ersten erfolgreichen EM-Qualifikation seit 1988 in Irland noch umjubelt und gefeiert, hat auch innerhalb des Teams Ärger. Verteidiger Kevin Foley schimpfte nach seiner Ausbootung für die EM, er werde »nie wieder« unter dem Italiener spielen, weil der ihn »betrogen« habe. Mittelfeldmann Darron Gibson weigerte sich aus demselben Grund, für das Spiel gegen Kasachstan nominiert zu werden.

In Astana beschwerte sich dann Mittelfeldspieler James McClean via Twitter, es sei ein »Witz« gewesen, das Trapattoni ihn nicht eingewechselt habe. Dass Trapattoni wiederholt öffentlich dem wie Torwart Shay Given zurückgetretenen Damian Duff hinterhertrauert, kommt in der Mannschaft ebenso schlecht an. »Ich finde es seltsam, dass er das immer wieder aufbringt. Er sollte damit aufhören, das ist irrwitzig«, sagte Abwehrspieler Stephen Kelly.

»Trap« wehrt sich nach Kräften. McClean musste sich öffentlich entschuldigen, Kelly bestellte er zum Rapport ein. Die Kritik an seinem Spielstil wies er ebenfalls zurück. »Wenn ich Spektakel haben will, gehe ich in die Scala«, sagte der Opernliebhaber, der weiterhin in Mailand wohnt. Überhaupt dürften die Fans nicht zu viel von ihrem geliebten Team erwarten. »Wir müssen die Mannschaft verändern, aber langsam. Unseren jungen Spielern mangelt es an Erfahrung«, sagte er.

Ein weiteres aktuelles Problem für Trapattoni sind die vielen Ausfälle; fünf wichtige Spieler fehlen verletzt. Mit der Umstellung auf ein 4-3-3 mit einer defensiven Dreierreihe vor der Abwehr will er Mesut Özil und Co. morgen stoppen. »Deutschland ist ein starkes Team. Wir kennen ihre Qualität, ihr Offensivpotenzial«, sagte er: »Sie sind eines der besten Teams in Europa, vielleicht sogar der Welt.« Dennoch habe er Hoffnung.

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