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Nadia studiert Biologie - mit 13 Jahren

In Sachsen gibt es derzeit etwa 60 Frühstudenten

  • Heidrun Böger, Leipzig
  • Lesedauer: 3 Min.
Das Frühstudium gibt es in verschiedenen Bundesländern, in Sachsen bieten es derzeit fünf Universitäten und Hochschulen an, darunter die TU Dresden. Dort studiert mit Nadia Metzkow eine der jüngsten Studentinnen nicht nur in Sachsen.

Immer dienstags und mittwochs geht Nadia Metzkow zur Uni. Das wäre an sich nichts Besonderes für ein junges Mädchen. Doch Nadia ist erst 13 Jahre alt. Zweimal pro Woche studiert sie an der Technischen Universität Dresden, sie belegt dort eine Chemie-Vorlesung für Biologen. Nadia nimmt bereits im zweiten Semester an der Schüleruniversität teil, einem Programm, das speziell auf Gymnasiasten zugeschnitten ist. Die 13-Jährige ist nicht die einzige. Etwa 60 sogenannte Frühstudierende gibt es an der TU, das Programm existiert bereits seit 2005. Besonders beliebt sind Psychologie, Biologie und Betriebswirtschaftslehre.

Nadia, die mit fünf Jahren eingeschult wurde, die 2. Klasse übersprang und jetzt die 10. Klasse des Hoga-Gymnasiums in Dresden besucht, interessiert sich besonders für die naturwissenschaftlichen Fächer. Bereits früh wurde ihre Hochbegabung festgestellt. Vater Lars Metzkow sagt: »Am schlimmsten ist für Nadia Langeweile, für sie ist das Frühstudium ideal.« Doch das Mädchen, das mit seiner Familie in Heidenau bei Dresden wohnt, ist kein weltfremder Bücherwurm. Nadia geht zum Judo und zum Tanzen und lernt auch noch Geige. »Und natürlich treffe ich mich mit meinen Freunden«, erzählt sie.

Auch für die TU Dresden hat es Vorteile, wenn Kinder wie Nadia sich für Vorlesungen einschreiben. »Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler, die bereits in der Schule selbstständig, zielgerichtet arbeiten, an der Uni weiter zu fördern und bei der Studienorientierung zu unterstützen«, erklärt Claudia Kramer, die das Projekt an der Uni mit koordiniert. Allerdings ist Nadia einer der jüngsten Teilnehmer - und die Lehrveranstaltungen stammen aus dem aktuellen Vorlesungsangebot. Das heißt: Es finden keine altersspezifischen Sonderveranstaltungen statt.

Wie finden Nadias Kommilitonen, dass da eine 13-Jährige mit ihnen in der Vorlesung sitzt? Nadia: »Die haben kein Problem damit. Eine sagte mal zu mir, dass sie das cool findet. Sie hat einen 13-jährigen Bruder, für den sie sich das aber nicht vorstellen könnte.« Für den Besuch der Uni wird Nadia vom Schulunterricht freigestellt, muss jedoch den Stoff nachholen. Bei ihren durchweg guten und sehr guten Noten ist das für die Gymnasiastin, die einen 15-jährigen Bruder hat, kein Problem. Am Ende des Semesters können die Schülerinnen und Schüler auch Prüfungen ablegen, die bei einem späteren Studium an der TU Dresden anerkannt werden.

Das Frühstudium gibt es in verschiedenen Bundesländern. In Sachsen bieten es derzeit fünf Universitäten und Hochschulen an, wobei die TU Dresden 2005 die erste war, sie liegt zahlenmäßig vorn. Interesse angemeldet haben jetzt auch die TU Bergakademie Freiberg und die Universität Leipzig. An der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig existiert das Frühstudium seit 2006. Pressesprecherin Katrin Giersch: »Es ist eine Form der Begabtenförderung und zudem wichtig für die Studienorientierung.« In der Vergangenheit waren es an der HTWK ein bis vier Frühstudierende pro Semester. Das Angebot wechselt, beinhaltet aber Veranstaltungen aller sieben Fakultäten. In diesem Semester hat sich kein Schüler eingeschrieben. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren: An der HTWK werden beispielsweise Baustofflehre, Technische Mechanik oder Kon-struktionsgrundlagen angeboten - alles sehr spezielle Fächer, relativ weit weg von den an der Dresdner TU besonders beliebten Fächern wie Psychologie oder Biologie.

Teilnahmevoraussetzung sind an der HTWK wie andernorts auch eine Bewerbung für eine konkrete Veranstaltung aus dem Angebotskatalog für Frühstudierende, aber auch die Empfehlung des Fachlehrers und letztlich die Zustimmung der Schule. Unter Umständen bleibt ein Fehlen im Unterricht nicht aus - und es muss sicher gestellt sein, dass der Schüler oder die Schülerin den Schulstoff nachholen kann und der Doppelbelastung auch gewachsen ist.

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