Zum WM-Start galt Bartpflicht

JÖRG MERZ aus KIRCHZARTEN: Klappradfahren ist wieder schwer im Kommen

  • René Gralla
  • Lesedauer: 3 Min.
Sie waren eigentlich das perfekte Fortbewegungsmittel der 70er Jahre: die Klappräder. Später wurden sie belächelt und landeten in Kellerecken und auf dem Schrottplatz. Längst sind sie jedoch von humorbegabten Nostalgikern wieder entdeckt worden. Sogar Rennen werden organisiert. Auf stilecht zurecht gemachten Rädern, in stilechten Klamotten. Zu den Aktivisten der Szene gehört der Realschullehrer für Deutsch, Geschichte und Ethik

nd: Klappräder sind eigentlich konstruiert für kurze Strecken. So wie man draufhockt: Ist das nicht eine äußerst ungünstige Sitzposition, um Rennen zu fahren?
Merz:
Wohl niemand unter echten Klappradfans macht sich darüber Gedanken, ob das physiologisch sinnvoll ist. Eher spielt eine Rolle, dass man wieder in alten Zeiten schwelgt. Und wenn man sich die Teilnehmer solcher Veranstaltungen anguckt, dann ist ein großer Teil von denen wahrscheinlich früher schon Klapprad gefahren.

Klappräder waren praktisch, galten aber irgendwie immer schon als ziemlich uncool. Haben sich Imageprobleme von einst in Coolness verwandelt?
Ich weiß gar nicht, ob das damals wirklich dermaßen uncool war. Mein erstes Fahrrad, das ich als Grundschüler kriegte, war jedenfalls ein Klapprad, und ich fand das total in Ordnung.

Anfang September starten Sie in der Pfalz beim »Kalmit Klapprad Cup«. Wie lang ist die Strecke?
Knapp sieben Kilometer bei 460 Höhenmetern. Auf der Straße rauf zur Kalmit, dem höchsten Berg im Pfälzer Wald.

Und Sie treten dabei nicht einfach in die Pedalen eines standardmäßigen Soloklapprads, sondern eines Tandems.
Das mache ich bereits seit Jahren mit meinem Rennpartner Matthias Eberle, den ich aus Jugendtagen kenne. Unser Gefährt habe ich übernommen vom Hausmeister jenes Studentenheims, in dem ich während meiner Unizeit wohnte.

Bei den Klappradrennen geht es wohl mehr um Party als um Sport. Auf einem Foto vom Wettbewerb 2011 tragen Sie eine Fischkopfhaube, und Ihr Kompagnon schwitzt offenbar in einem gelben Monsterbleistiftanzug.
Das ist kein Bleistift, sondern eine Riesenpommes. Damals stand der Kalmit-Cup wegen der Hochzeit von Kate und Prinz William unter dem Motto »The Royal Klapp«. Matthias Eberle und ich starteten urbritisch als »Fish and Chips«.

Das besagte Outfit dürfte unterwegs recht hinderlich gewesen sein.
Nicht unbedingt. Wir haben in der Sonderwertung für Tandems den zweiten Platz geschafft.

Ihre Generalprobe für das diesjährige Kalmit-Rennen stieg Anfang Mai in Ludwigshafen während der WM im »Klappradradfahren der Oberlippenbartträger«. Was war da denn los?
Sie wurden nur dann zugelassen, wenn Sie einen echten Oberlippenbart vorweisen konnten.

Sehr witzig. Ist der Schnäuzer auch nach dem Rennen drangeblieben?
Nein! (lacht)

Steigen Sie im Alltag auch mal aufs Klapprad?
Aber ja! Ich bin ein Landei, wohne außerhalb von Freiburg, und wenn ich mit der Bahn in die Stadt fahre, nehme ich natürlich das Klapprad mit. Und zwar schön zusammengeklappt, wie sich›s gehört, dann gilt das nämlich als zwei Einräder, und für die muss ich keinen extra Fahrschein lösen!

Freiburg hat den Ruf, eine Fahrradmetropole zu sein. Wie reagieren die Leute, wenn Sie dort auf Ihrem Klappvelo auftauchen?
Unterschiedlich, aber im Ergebnis nicht negativ. Manche sagen: Geiles Rad. Schließlich habe ich mein Teil auch ein bisschen frisiert, vor allem die Reifen sind schmaler als in der Standardausführung. Im übrigen habe ich den Eindruck, dass Klappradfahren wieder schwer im Kommen ist. Wahrscheinlich, weil es eine echte Retromode ist und man damit aktuell ganz weit vorne liegt. Vor allem unter Studenten.

Und was sagt Ihre Freundin dazu, dass Sie auf einem Klapprad rumkurven und nicht auf einem Mountainbike?
Wir kennen uns schon so lange, dass sie jede meiner Macken irgendwie annimmt.

Gespräch: René Gralla

»Kalmit Klapprad Cup« 2013 am 07.09.2013: weitere Infos unter www.kalmit-klapprad-cup.de

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