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EU belegt Färöer-Fischerei mit Bann

Sanktionen wegen Streits um Fangquoten treten in Kraft

  • Von Andreas Knudsen, Kopenhagen
  • Lesedauer: 3 Min.
Die EU und die Färöer-Inseln konnten sich nicht auf neue Fangquoten für Heringe und Makrelen einigen. Nun werden die Fischer abgestraft.

Über ein Jahr dauerten die zähen Verhandlungen zwischen der EU und den nordatlantischen Küstenstaaten zur Verteilung der Fangquoten. Nun griff die EU-Kommission zu ihrer schärfsten Waffe und erließ ein Einfuhrverbot für von färöischen Fischern gefangene Heringe und Makrelen, das am Dienstag in Kraft tritt. Die Boote färöischer Makrelen- und Heringsfischer dürfen EU-Häfen künftig nur noch anlaufen, wenn sie in Seenot sind. Der Export von Fischereiausrüstung ist ebenfalls vorläufig nicht gestattet.

Hintergrund des drastischen Schrittes sind veränderte Wanderwege der Fischschwärme, die sich im Sommer nördlicher aufhalten als in den Jahren zuvor. Eine norwegisch-isländisch-färöische Untersuchung zeigte, dass sich jetzt 23 Prozent der Makrelen und Heringe in isländischen und 16 Prozent in färöischen Gewässern aufhalten. Bislang wurden die Fangquoten zu 60 Prozent auf die EU-Fischer, zu 35 Prozent auf die Norweger und zu fünf Prozent auf die Färöer aufgeteilt. Das entsprach den Empfehlungen der Internationalen Meeresuntersuchungskommission (ICES).

Auf Grund der veränderten Lebensgewohnheiten erhöhten die Färöer ihren Anteil einseitig auf 15 Prozent, ohne die EU, Norwegen, Island und Russland zu konsultieren. Die EU lehnt das mit Verweis auf historische Rechte ab. Zudem hielten sich die Schwärme weiter den größten Teil ihres Lebens in EU-Gewässern auf. Kompromissvorschläge führten zu keinem Ergebnis. Die EU begründet die Sanktionen mit der Überfischung der nordatlantischen Heringsbestände. Die Sanktion betrifft aber auch die Makrelen und damit die beiden Fischarten, die die wichtigste Einnahmequelle der Färöer bilden.

Als Gegenmaßnahme klagten die Färöer beim Internationalen Seegerichtshof wegen der Verletzung des Seerechtsübereinkommens. Nach Ansicht der Inselgruppe lässt die EU ihre ökonomischen Muskeln spielen, um die für Anfang September geplante Verhandlungsrunde zu beeinflussen. Der färöische Ministerpräsident Kaj Leo Holm Johannesen sieht noch nicht alle Verhandlungsmöglichkeiten erschöpft. Als ökonomische Gegenmaßnahme versuchen die Färöer seit längerem, neue Absatzmärkte zu finden, doch der vorläufige Verlust des EU-Marktes ist ein herber Schlag. Die Fischer werden nicht auf Kompensationen seitens der Autonomieregierung hoffen können.

Dänemark sitzt zwischen den Stühlen: Einerseits muss es als EU-Mitglied den Sanktionen folgen, andererseits aber auch die Interessen eines autonomen Teiles des Königreiches verteidigen. Die Färöer sind zwar nicht Teil der EU, aber wegen eines Fischereiabkommens mit ihr sowie die ICES-Empfehlungen nicht frei in ihren Entscheidungen. Das dänische Außenministerium arbeitet seit Wochen mit Hochdruck an einer Lösung und hat, bislang aber vergeblich, die EU gebeten, die Sanktionen nicht einzuführen. Letztere wartet nach eigenen Angaben jedoch auf neue Vorschläge von Seiten der Färöer.

Die Kommission bereitet derzeit ähnliche Sanktionen gegen Island vor, dessen Fischern man ebenfalls Überfischung vorwirft. Diese Kontroverse hat bereits zur vorläufigen Einstellung der Beitrittsverhandlungen der Insel zur EU geführt und den Anteil der Isländer, die die Mitgliedschaft ablehnen, stark ansteigen lassen.

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